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Toxikologie: Ziegenmilch gegen chemische Kampfstoffe

Forscher der amerikanischen Biotechnologiefirma PharmAthene haben Ziegen gentechnisch so verändert, dass die Milch der Tiere ein Enzym enthält, das Organophosphate bindet und neutralisiert. Zu diesen Substanzen zählen Nervengase wie Sarin oder VX sowie verschiedene Pestizide. Das aus der Milch gewonnene Enzym könnte sowohl prophylaktisch als auch zur Akutbehandlung eingesetzt werden, erklärt das Team um Stacey Jurchison.

Das betreffende Enzym Butyrylcholinesterase produziert der menschliche Körper zwar selbst, jedoch in sehr geringen Mengen. Die Wissenschaftler hatten daher das menschliche Gen mittels eines Vektors in Ziegenembryonen eingeschleust, woraufhin die daraus entwachsenden weiblichen Tiere das Enzym über ihre Milch abgaben. Es seien Mengen von zwei bis drei Gramm pro Liter möglich, so Koautor Solomon Langermann. Das übersteige die bisherigen Produktionserfolge aus Blutserum, Hefen, Bakterien oder Säugetierzellen bei weitem. Das aus der Milch aufgereinigte Protein injizierten die Forscher in Meerschweinchen, wo es im Blut nachweislich aktiv blieb.

Die Forschungsarbeit wurde vom amerikanischen Verteidigungsministerium finanziert, da man sich darin ein effektives Mittel gegen Kampfgaseinsätze im Krieg erhoffe. Langermann erklärt, Butyrylcholinesterase sei weitaus wirksamer als die bisherige Medikamentenkombination, die Soldaten bei sich führten. Organophosphate zählen allerdings auch zu den am häufigsten eingesetzten Pestiziden in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Schädlingsbekämpfung sowie im Gartenbau. Die toxische Wirkung beruht auf der Blockade des Acetylcholin-Abbaus, was zu starken Krämpfen und Tod durch Atemlähmung führen kann. (af)

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