Direkt zum Inhalt

Zombiepilze: Ein Parasit, der Parasiten parasitiert

In Regenwäldern existieren Pilze, die Insekten befallen und sie als Vehikel benutzen. Doch auch sie sind ihrerseits nicht gegen Parasiten gefeit.
Eine Nahaufnahme von üppigen, grünen Blättern im Unterholz eines dichten Waldes. Die Blätter sind groß und glänzend, mit vereinzelten braunen Flecken. Sonnenlicht fällt durch das Blätterdach und beleuchtet die Pflanzen, während der Hintergrund aus weiteren Pflanzen und Schatten besteht. Die Szene vermittelt ein Gefühl von natürlicher Vielfalt und Lebendigkeit im Wald.
Der malaysische Regenwald gehört zu den ältesten der Erde. Im Lauf der Zeit haben sich hier teils extreme Lebensweisen entwickelt.

Es gehört sicherlich zu den gruseligeren Vorstellungen, von einem Pilz befallen und am Ende fremdgesteuert zu werden. Doch genau das erleben manche Wirbellose regelmäßig in tropischen Regenwäldern: Sporen gelangen ins Innere der Tiere, die wachsenden Pilze ändern deren Verhalten und geben am Ende erneut Sporen aus den inzwischen gestorbenen Wirten frei, die neue Opfer infizieren. Allerdings können diese Pilze ihrerseits ebenfalls von Pilzen befallen werden, etwa durch Mitglieder der Gattung Pleurocordyceps, von der ein Team um Jaya Seelan Sathiya Seelan von der University of Malaysia Sabah eine neue Art in den Regenwäldern Borneos entdeckt hat. Der sogenannte Hyperparasit besiedelt Vertreter der Gattung Ophiocordyceps, die als Zombiepilze bekannt sind.

In diesem Fall attackiert der Zombiepilz bestimmte Ameisen, in denen er wächst, bevor er das Nervensystem der Insekten manipuliert: Sie klettern auf Pflanzen, verharren und sterben dort, bevor der Pilz aus dem Körper bricht und neue Sporen freisetzt. Pleurocordyceps cornusynnemata befällt wiederum die Zombiepilze im Insekt und schmarotzt am Pilzgewebe selbst statt am Ameisenkörper. Die Wissenschaftler waren auf die bislang unbekannte Art gestoßen, nachdem sie eine tote, mit Pilzen besiedelte Ameise im Danum-Tal in Sabah gesammelt und im Labor untersucht hatten.

Charakteristisch für den Hyperparasiten sind hornartige Auswüchse, an denen die Sporenkörper sitzen und die zuvor nicht von Pleurocordyceps bekannt waren: Diese Strukturen hatten die Forscher auch auf den Pilz aufmerksam gemacht. Zusammen mit weiteren Funden einer anderen Pleurocordyceps-Art gelang ihnen damit der erste Nachweis für diese Hyperparasitengattung in Malaysia: P. aurantiaca befällt unter anderem infizierte Zikaden. Insgesamt wurden damit nun 26 Pleurocordyceps-Arten beschrieben, die in den Regenwäldern Südamerikas und Südostasiens leben. Neben den Hyperparasiten entdeckte das Team zudem noch eine neue Art von Zombiepilzen, die Spinnen befällt und tötet.

  • Quellen

Shahbaz, M. et al., Phytotaxa 10.11 646/phytotaxa.750.4.1, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.