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News: Zu optimistisch

Beim Thema Klimaschutz treten die Vereinigten Staaten eher zurückhaltend auf. Sie berufen sich auf ihre natürlichen Kohlenstoffsenken und erhielten hierfür Unterstützung aus der Wissenschaft. Doch die Abschätzung, wie viel Kohlendioxid amerikanische Biotope der Atmosphäre entziehen, könnte sich als zu optimistisch erweisen.
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Wie viel Kohlendioxid vermag ein Biotop zu binden und damit der Atmosphäre zu entziehen? Über diese Frage lässt sich trefflich streiten, da sie einerseits methodisch nicht so leicht zu beantworten ist, andererseits ihre Antwort auch erhebliche politische Konsequenzen nach sich zieht. Schließlich gilt CO2 als Treibhausgas, das einen erheblichen Einfluss auf das Klima unseres Planeten hat. Und seitdem die Regierungen der Erde regelmäßig auf Klimagipfeln darüber verhandeln, wer wie viel Treibhausgas in die Luft blasen darf, gelten so genannte Kohlenstoffsenken als ein wichtiges Argument. Wer auf seinem Staatsgebiet über bedeutende Kohlenstoffsenken verfügt, so die Argumentation, darf auch entsprechend mehr CO2 emittieren.

Die Vereinigten Staaten, die bisher wenig Veranlassung sehen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren, stützen sich gerne auf ihre natürlichen Kohlenstoffsenken – und erhalten dabei auch Rückendeckung aus der Wissenschaft. So versuchte im Jahr 2001 die Arbeitsgruppe von Stephen Pacala von der Princeton University, die CO2-Bindung durch die Vegetation Nordamerikas abzuschätzen. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Veränderungen in der Pflanzendecke die CO2-Bindungskapazität verbessert hat. Denn im 19. und 20. Jahrhundert gerodete Flächen werden zum Teil von der natürlichen Vegetation zurückerobert. Und die vordringenden Büsche und Sträucher, die heutzutage auch vor Waldbränden geschützt werden, können nach Ansicht der Forscher mehr Kohlenstoff binden als die alten Grasländer.

Doch stimmt diese Annahme? Robert Jackson von der Duke University ging zusammen mit seinen Kollegen dem Kohlenstoff auf den Grund. Hierfür standen ihnen sechs Experimentierfelder zur Verfügung, die auf verschiedene Klimaregionen vom östlichen Texas bis zum westlichen New Mexico verteilt waren. Die Felder wiederum waren entweder mit Gras oder mit der vordringenden Buschvegetation bedeckt, sodass die Forscher den Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt der unterschiedlichen Böden analysieren und direkt vergleichen konnten.

Und diese Analysen relativieren die bisher geltenden optimistischen Annahmen: Zwar können in den trockenen Gebieten New Mexicos die Buschländer tatsächlich mehr Kohlenstoff der Atmosphäre entziehen als die Gräser. Allerdings fällt dieser CO2-Entzug deutlich geringer aus, als Pacala noch vermutet hatte.

Und in den feuchteren Regionen Texas sieht es noch trauriger aus: Die Büsche fixieren hier zwar sehr viel Kohlenstoff – dieser CO2-Entzug wird jedoch durch eine starke CO2-Freisetzung des Bodens überkompensiert, sodass die Bilanz negativ bleibt.

Warum die Böden der feuchteren Buschländer so viel CO2 freisetzen, ist den Wissenschaftlern noch unklar. Sie vermuten, dass dahinter die unterschiedliche Verteilung der Biomasse bei Gräsern und Sträuchern liegt: Gräser bestehen hauptsächlich aus unterirdischen Wurzeln, sodass sie mehr Kohlenstoff im Boden festlegen als Büsche und Bäume. Verdrängen nun die Sträucher die Gräser, dann führt der Abbau der abgestorbenen Wurzelmasse zu einer verstärkten CO2-Freisetzung aus dem Boden. Wie dem auch sei, zu großer Optimismus über das Potenzial nordamerikanischer Kohlenstoffsenken ist wohl nicht angebracht.

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