Direkt zum Inhalt

News: Zu viel Wasser für Leben auf dem Mars?

Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse der europäischen Sonde Mars Express, die auf einen großen Vorrat von Wassereis am Südpol des Roten Planeten hinweisen, schmälern die Aussichten für Leben auf dem Mars, befürchtet Timothy Titus vom US Geological Survey [1].

Schon lange war bekannt, dass der Mars-Nordpol von einer Wassereiskappe bedeckt ist; am Südpol war dagegen bisher nicht geklärt worden, in welchem Verhältnis dort gefrorenes Kohlendioxid und Wassereis lagern. Nun zeigte sich, dass Wassereis-Vorräte weitaus größer sind als vermutet, mit entsprechenden Auswirkungen für eine ehemalige Mars-Atmosphäre: Forscher vermuteten, dass die Sonneneinstrahlung bei einer früher stärker geneigten Mars-Achse das Kohlendioxid am Südpol freigesetzt und den Druck in der Atmosphäre verstärkt haben könnte. Dies wiederum hätte Wasser in flüssiger Form auf dem Planeten ermöglicht und so die Voraussetzung für Leben geschaffen.

Die nun vorgefundenen Kohlendioxideis-Vorräte am Südpol sind jedoch zu gering, um einen so großen Einfluss auf die Druckverhältnisse ausgeübt zu haben. Allerdings, so gibt Titus zu bedenken, könnten in dem Staub und den Geröllen auf der Marsoberfläche noch ansehnliche Mengen von Kohlendioxid gespeichert sein.

OMEGA, die Kombination aus Kamera und Infrarot-Spektrometer an Bord des Mars Express hatte am 18. Januar 2004 erstmals sicher das Vorhandensein von Wassereis am Südpol unseres Nachbarn bestätigt. Frühere Messungen hatten bisher nur Wasserstoff nachgewiesen, der aber als Hinweis auf Wasser gedeutet wurde, wie Mars-Express-Projektleiter Rudolf Schmidt im Gespräch mit wissenschaft-online erläuterte. Andere Messungen hatten einen schwankenden Wasserdampfgehalt der Mars-Atmosphäre erfasst, die ebenfalls auf gefrierende beziehungsweise auftauende Wassereis-Vorräte zurückgeführt wurden.

Jean-Pierre Bibring vom Institut d'Astrophysique Spatiale und seine Kollegen stellten bei der Auswertung der Mars-Express-Daten fest, dass hunderte Quadratkilometer "Permafrost" – mit gefrorenem Wasser durchdrungener Boden – den Südpol umrahmen. Da diese Regionen nicht wie eine freiliegende Eisfläche reflektieren, war ihr Gehalt an Wassereis bisher nicht entdeckt worden. Erst das Infrarot-Spektrometer von OMEGA hatte durch die typische Kältesignatur das Wassereis nachweisen können.

Den Daten zufolge können am Südpol drei Regionen unterschieden werden. Da ist zum einen die hell reflektierende Eiskappe selbst, die zu 85 Prozent aus Kohlendioxid und 15 Prozent aus Wassereis besteht. Davon abgesetzt sind die Steilhänge, die von der Eiskappe zu den umgebenden Flächen hin abfallen und fast ausschließlich aus Wassereis bestehen. Den Abschluss bilden die unerwarteten, ausgedehnten Permafrostflächen, die sich noch etliche Kilometer vor den Steilhängen erstrecken [2].

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen
[1] Nature 10.1038/nature02482 (2004)
[2] Nature 10.1038/nature02461 (2004)

Partnerinhalte