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News: Zu wenig Vegetation in der Sahel-Zone

Durch die Ausbreitung der Sahara in Richtung Süden herrscht in der Sahel-Zone seit einigen Jahren eine extreme Dürre. Eine mögliche Erklärung für diese lang anhaltende Trockenperiode wäre die übermäßige Nutzung des Landes für Ackerbau und als Weideland, wovon sich der Boden nicht mehr erholen kann. Die Dürre wäre demnach von Menschen gemacht. Nun haben Forscher ein interaktives Computer-Klimamodell entwickelt, welches nachweist, daß die Trockenheit in diesem Region haupsächlich auf die Abnahme der Vegetation zurückzuführen ist - nicht auf anthropogene Einflüsse.
Seit den siebziger Jahren herrscht in Nordafrika eine extreme Dürre. Die Studien verschiedener Wissenschaftlergruppen haben bisher stets angedeutet, daß das Problem von Menschen gemacht ist, die das Land durch Landwirtschaft ausbeuten und ihm keine Möglichkeit geben, sich zu erholen. Eine andere Ursache sahen manche Forscher in der geänderten Oberflächentemperatur des Ozeans, wodurch zunächst die Monsun-Winde und als Folge davon auch der Regen ausbleiben.

"Wie wir alle wissen, hat die Sahel-Zone in den siebziger und achtziger Jahren eine Dürreperiode durchgemacht. Das ist ein großes ökonomisches Problem für Nigeria, Niger und Mali und die anderen Staaten in dieser Region", sagte Ning Zeng, der mit seinem Kollegen David Neelin von der University of California in Los Angeles und dem Atmosphärenforscher William Lau vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt, MD. ein neues Klimamodell entwickelt hat. Das interaktive Modell berücksichtigt sowohl die Oberflächenprozesse auf dem Land als auch atmosphärische Abläufe.

Um die wirklichen Gründe für die Trockenheit zu verstehen, untersuchten sie zunächst, welchen Anteil daran die kältere Meeresoberfläche und die dadurch fehlenden Monsun-Winde haben. Dem Modell zufolge können die Meerestemperaturen nicht die Hauptursache für eine Dürre in diesem Umfang sein, sagte Lau. Auch die zunehmende Trockenheit des Bodens, die eine sinkende Luftfeuchtigkeit nach sich zieht, ist nicht der wirkliche Grund für das Ausbleiben des Regens, stellten die Forscher fest.

Erst als die Wissenschaftler den Einfluß der Vegetation in ihrem Modell berücksichtigten, sahen sie einen signifikanten Einfluß auf das Klima, und sie erkannten darin im Fall der Sahel-Zone eine sehr wichtige Ursache für die zunehmende Dürre. "Durch die abnehmende Oberflächentemperaturen auf dem Meer ist es etwas trockener geworden. Dadurch wachsen weniger Pflanzen, diese geringere Vegetation hat aber eine höhere Oberflächen-Albedo zur Folge", sagte Zeng. Diese stärkere Reflexion der Sonnenstrahlung führte dann wiederum zu einem trockeneren, kälteren Klima. Dessen Folge ist eine schwächere Monsun-Zirkulation. Bei guter Zirkulation würde feuchte Luft aus dem Süden und Westen heranströmen, das ist nun nicht mehr der Fall, fügt er hinzu. Dazu kommt, daß mit abnehmender Vegetation die Luftfeuchtigkeit sinkt, weil Pflanzen über ihre Blätter Wasser an die Umgebung verdunsten. Auch das ist ein wichtiger Faktor, denn nimmt die Luftfeuchtigkeit ab, regnet es weniger. Und an diesem Punkt gelangt man wieder zu einer schwächeren Zirkulation und sinkender Monsun-Tätigkeit.

Lau meint, daß ihr Modell unter Einschluß der Vegetation sehr gut die aktuellen Vorgänge in der Sahel-Zone wiedergibt. Und es zeigt, daß die Trockenheit noch größer wäre, wenn es keine Landwirtschaft in dieser Region gäbe.

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