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Domestikation: Zucht machte Hunde zu hörigen Befehlsempfängern

Gehorsam, unselbstständig, unkooperativ - so hätten sich Menschen den Hund gezüchtet, sagen Forscher. Als Beleg nennen sie Tests und Vergleiche mit Wölfen.
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Hunde sind unkooperativer als Wölfe und weniger dazu in der Lage, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Friederike Range und Zsófia Virányi von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Damit widersprechen sie einer gängigen Ansicht, der zufolge bei der Domestikation gerade diese sozialen Fähigkeiten bevorzugt worden sein sollen.

Laut Range und Virányi wurde jedoch bei der Zucht mehr Gewicht darauf gelegt, dass Hunde sich unterordnen und Befehle ausführen. Dadurch sei das hierarchische Denken beim Hund heutzutage deutlich ausgeprägter als beim Wolf.

Von der Präsentation dieser Ergebnisse auf dem Treffen der Animal Behavior Society an der Princeton University berichtet das Magazin "Science".

Die Wissenschaftler hatten Tests durchgeführt, bei der sie an Menschen gewöhnte Wölfe und in Rudeln lebende Hunde diverser Rassen gegeneinander antreten ließen. Die Tiere im Wolfsforschungszentrum im Wildpark Ernstbrunn wurden beispielsweise beim Teilen der Nahrung getestet: Ein hoch- und ein niederrangiges Tier bekamen dazu einen gemeinsamen Futternapf. Während bei den Wölfen das Alphatier den Rangniederen mitfressen ließ, fraß bei den Hunden ausschließlich der Ranghöhere. Untergeordnete hätten nicht einmal den Versuch unternommen, entgegen der Hierarchie zu handeln, so die Forscher laut "Science".

Wölfe seien auch besser darin gewesen, bei Futtersuchtests den Blicken ihrer Artgenossen zu folgen – und insgesamt einfach die besseren "Teamplayer", meinen die beiden Wissenschaftler. Man habe den Hunden ein striktes Hierarchiedenken angezüchtet, um sich selbst an die Spitze dieser Rangfolge setzen zu können, so Range und Virányi. Damit habe man zwar den Hund zum gehorsamen Befehlsempfänger machen können – allerdings auf Kosten seiner Kooperationsfähigkeit und Individualität.

Zum selben Ergebnis sei auch die Verhaltensforscherin Monique Udell von der Oregon State University in Corvallis gekommen, heißt es in dem Bericht. Bei ihren Versuchen gelang es sowohl Wölfen als auch Hundewelpen, eine knifflige Aufgabe zu lösen. Erwachsene Hunde brauchten jedoch erst die Aufforderung ihres Herrchens. Mit dem Älterwerden hätten sie die Fähigkeiten zur Eigeninitiative verloren, so Udell.

34. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 34. KW 2014

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