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Gefährdete Bestäuber: Zuchthummeln verbreiteten Parasiten unter Wildhummeln

Gezüchtete Insekten bestäuben weltweit immer mehr Feldfrüchte - machen sie nebenher den natürlichen Bestäubern das Leben schwer?
Hummel auf Löwenzahn

Wilde Bienen- und Hummelarten sind wichtige Bestäuber für viele wilde und landwirtschaftlich genutzte Pflanzenarten – doch ihre Zahl schrumpft. Ein wesentlicher Grund dafür sind möglicherweise kommerziell gezüchtete Bestäuber, die natürlich vorkommenden Parasiten ein ideales Sprungbrett in die freie Wildbahn bieten. Darauf deuten nun die Ergebnisse einer US-Arbeitsgruppe hin. Das Team um Sydney Cameron von der University of Illinois analysierte Herkunft und Verbreitung des Parasiten Nosema bombi, der vor allem in Arten mit schwindenden Populationen häufig ist. Anders als oft vermutet, gibt es keine Indizien dafür, dass der zerstörerische Pilz von außen, aus Europa eingeschleppt wurde. Vielmehr scheinen Zuchthummeln den zuvor seltenen Erreger vervielfältigt und rapide verbreitet zu haben.

In Nordamerika trat der Nosema zum ersten Mal in den 1990er Jahren massiv als Hummelschädling in Erscheinung. Im Jahr 1997 musste die Zucht der Art Bombus occidentalis aufgegeben werden, weil die Brutpopulationen massiv mit Nosema bombi befallen waren. Kurz darauf brachen auch die wilden Populationen von B. occidentalis und mehrerer verwandter Arten deutlich ein – ohne dass ein vergleichbarer Rückgang bei anderen Hummeln zu beobachten gewesen wäre. Dies betrachten viele Fachleute als klaren Beleg dafür, dass eine neue, aggressivere Parasitenpopulation mit den Zuchthummeln aus Europa kam. Doch von einer ganz neuen, zuvor in Nordamerika unbekannten Nosema-Linie ist in den von Cameron und seinem Team durchgeführten Analysen nichts zu sehen.

Fachleute vermuten schon länger, dass kommerzielle Bestäuber Parasiten und Krankheiten unter wilden Bienen und Hummeln verbreiten und so zum Rückgang ihrer Populationen beitragen. Die neuen Analysen erhärten diesen Verdacht – sollte sich die Bedeutung von Zuchtarten für den Rückgang natürlicher Bestäuber auch allgemein bestätigen, hätte das weit reichende Konsequenzen auch für andere Insekten. Indizien für einen solchen Effekt gibt es unter anderem auch bei kommerziellen Bienen, bei denen ebenfalls Nosema-Arten vorkommen und die seit Mitte des 20. Jahrhunderts über weite Strecken transportiert werden, um Feldfrüchte zu bestäuben.

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