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Sibirien: Züchtete der Mensch zuerst Schlittenhunde?

Wozu sind Hunde eigentlich gut? Anders gesagt: Zu welchem Zweck zähmte und formte der Mensch als Erstes seinen besten Freund? Die Antwort liefern Ausgrabungen im hohen Norden.
Huskys ziehen einen SchlittenLaden...

Steinzeitliche Rentierjäger könnten die Ersten gewesen sein, die Hunde gezielt für ihre Zwecke gezüchtet haben – nämlich als Schlittenhunde, die ihnen halfen, die weiten Distanzen der arktischen Tundra zurückzulegen. So interpretieren Archäologen rund 9000 Jahre alte Hundeknochen, die sie auf der Schochow-Insel in der Ostsibirischen See entdeckt haben. Die Überbleibsel stammen aus einer Zeit, als die Insel noch mit dem Festland verbunden war.

Wie Vladimir Pitulko und Aleksey Kasparov von der Russischen Akademie der Wissenschaften im "Journal of Archaeological Science: Reports" berichten, unterscheiden sich die 13 Hundeskelette kaum: Die Tiere hatten alle eine vergleichbare Statur und dürften sibirischen Huskys ähnlich gesehen haben. Mit einem Eigengewicht zwischen 16 und 25 Kilogramm seien sie körperlich dazu in der Lage gewesen, einen Schlitten zu ziehen. Ein weiteres Tier überragte seine Artgenossen hingegen deutlich. Hier könnte es sich um eine Mischung aus Wolf und Hund gehandelt haben, mit dem die ehemaligen Bewohner Schochows möglicherweise im Winter auf Eisbärenjagd gingen. Eine solche gefährliche Form der Fleischbeschaffung ist für die damalige Jäger-und-Sammler-Kultur nachgewiesen.

Frühe Hunde, wie man sie aus archäologischen Untersuchungen kennt, seien sehr vielfältig in Form und Größe. Offenbar wählten ihre Besitzer die Hunde damals nicht speziell nach ihrem Körperbau aus. Auch fänden sich bei Ausgrabungen immer wieder alle möglichen Säugetiere, neben Hunden oder halbdomestizierten Wölfen auch Füchse oder Dachse, erklärt Melinda Zeder vom Smithsonian Institution National Museum of Natural History in Washington, D. C., im Magazin "Science". Einige dieser Tiere seien vielleicht sogar zahm gewesen. Doch zum "besten Freund des Menschen" sei der Hund erst geworden, als es eine konkrete Verwendung für ihn gab – möglicherweise eben als Schlittenhund. Der ausdauernde Läufer könnte den Bewohnern Sibiriens geholfen haben, nach dem Verschwinden der Mammuts und der anderen eiszeitlichen Riesen auch kleineren Beutetieren nachzustellen oder den Rentierherden zu folgen.

Wie und wann die Zähmung des Hundes stattfand, darüber herrscht allerdings nach wie vor noch Uneinigkeit. Womöglich domestizierte der Mensch den Vierbeiner an mehreren Orten unabhängig voneinander.

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