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Ornithologie: Zugvögel mit Fremdsprachenkenntnissen

Haldenwaldsänger
Auf dem Weg von und ins Winterquartier orientieren sich Zugvögel an lokalen Arten, um Fressfeinden zu entgehen. Zumindest der Haldenwaldsänger (Helmitheros vermivorus) lauscht aus diesem Grund unterwegs und in Belize, wo er die kalte Jahreszeit verbringt, auf die Alarmrufe anderer Vögel, berichten Joseph Nocera von der Queen's University im kanadischen Kingston und seine Kollegen.

Viele Vögel reagieren auf Räuber wie Greifvögel, Katzen oder Marder mit dem so genannten Mobbingverhalten: Sie fliegen Scheinattacken, "beschimpfen" ihren Feind mit enervierenden Pfiffen und plustern sich auf, indem sie Schwanzfedern und Schwingen spreizen. Zugvögel beteiligen sich aber im Gegensatz zu Standvögeln wie Meisen oder Tangaren nur selten an diesem aggressiven Gruppenverhalten. Dennoch reagieren sie darauf, wie die Forscher experimentell feststellten. Sie spielten im Zug- und Überwinterungsgebiet Alarmrufe von ebensolchen Meisen und Tangaren ein und beobachteten die Reaktion der Vögel vor Ort, wobei sie sich besonders auf die Haldenwaldsänger konzentrierten.

Unter den einheimischen Arten von Belize erregten nur die Pfiffe der Tangaren Aufsehen, während jene der Meisen bei ihnen folgenlos verhallten. Umgekehrt interessierten die Mobbing-Lautäußerungen jene Vögel nicht, die bislang weder mit den Meisen noch mit den Tropenvögeln Kontakt hatten. Die Waldsänger wurden dagegen von beiderlei Rufen verschreckt, das heißt ihnen waren sowohl die Alarmrufe der Meisen von unterwegs als auch der exotischen Tropenvögel bekannt. "Unsere Ergebnisse belegen erstmals, dass Zugvögel während ihrer Reise auf Vermeidungsstrategien von Standvögeln achten. Es könnte sich als ein kostengünstiges Lernverhalten erweisen", freut sich die an der Studie beteiligte Laurene Ratcliffe. (dl)
28.06.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28.06.2008

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