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Biologie: Zugvogel in der Klimafalle

Der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) überwintert wie viele andere Singvögel im tropischen Afrika und kehrt alljährlich zur Brut nach Europa zurück. Seinen Reisetermin bestimmt er anhand der Tageslänge – sie sagt ihm, wann es Zeit für den Aufbruch nach Norden ist. Weil der europäische Frühling wegen des weltweiten Klimawandels aber zunehmend früher einsetzt, wodurch sich auch das saisonale Nahrungsangebot und damit das Vorkommen von Insekten für die Jungenaufzucht zeitlich nach vorne verlagert, kommen die Tiere immer öfter zu spät.

Die Vögel könnten sich jedoch den veränderten Jahreszeiten in Europa anpassen, wenn sie nicht so weit im Süden überwintern würden. Das ergaben nun Versuche von Tim Coppack und seinen Mitarbeitern am Max-Planck-Institut für Ornitologie in Seewiesen. Die Forscher hielten junge Trauerschnäpper unter Tageslichtbedingungen, die verschiedenen geografischen Regionen zwischen Zentralafrika und Europa entsprechen. Dabei zeigte sich, dass der Zugbeginn schon bei einer Verlagerung der Winterquartiere um 1100 Kilometer nach Norden – das heißt aus den Tropen in die Sahelzone – einen ganzen Monat früher einsetzen würde.

Allerdings leidet die Region südlich der Sahara ebenfalls unter dem Klimawandel. Wegen ihrer zunehmenden Versteppung bietet sie nicht genug Nahrung für einen mehrmonatigen Aufenthalt. Die Zugvögel müssten ihre Winterquartier schon in den Mittelmeerraum verlegen; eine solch drastische Anpassung in kurzer Zeit wäre jedoch ein gewaltiger evolutionärer Sprung und ist sehr unwahrscheinlich.

Jan Hattenbach

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