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News: Zunehmend Regen

Der neueste Hinweis, dass der Mensch das Klima seines Planeten zu seinen Ungunsten verändert, stammt vom Indischen Ozean: Seit 400 Jahren nimmt die Stärke des Südwestmonsun zu.
Fast die Hälfte der Erdbevölkerung erwartet ihn Jahr für Jahr: Regelmäßig von Mai bis September bringt der Südwestmonsun den heiß ersehnten Regen und beschert Südostasien eine reiche Ernte. Hoffentlich. Denn wenn der Monsun ausfällt, drohen Dürren, Missernten und Hungersnöte. Weht er jedoch zu stark, sind verheerende Überschwemmungen in weiten Teilen von Indien, Bangladesch und China die unausweichliche Folge.

Das jährliche Wechselspiel zwischen feuchtem Südwestmonsun und trockenem Nordostmonsun wiederholt sich bereits seit etlichen Millionen Jahren – seit dem tektonischen Aufstieg des tibetanischen Hochplateaus. Hier heizt sich im Sommer die Luft auf, steigt nach oben und bildet ein Tiefdruckgebiet, das Luftmassen vom relativ kühlen Indischen Ozean ansaugt. Die einströmende feuchte Meeresluft staut sich am Himalaya, ergiebige Regenfälle sind die Folge. Im Winter, wenn sich der südostasiatische Kontinent abkühlt, dreht sich das Wettergeschehen um: Der trockene Nordostmonsun weht dann Richtung Meer.

Die Stärke des Monsuns variiert über die Jahre beträchtlich, wie die regelmäßigen Aufzeichnungen der letzten 140 Jahre zeigen. Weiter zurückliegende Daten existieren jedoch nicht, sodass langfristige, über mehrere Jahrhunderte andauernde Trends schwer abzuschätzen sind. Doch jetzt versuchten David Anderson von der University of Colorado zusammen mit Jonathan Overpeck von der University of Colorado und Anil Gupta von Indian Institute of Technology die fehlenden Daten für die letzten tausend Jahre nachzuliefern.

Die drei Forscher bedienten sich dafür des kleinen marinen Einzellers Globigerina bulloides. Diese Foraminiferen vermehren sich massenhaft, wenn ein starker Südwestmonsun nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe des Indischen Ozeans aufsteigen lässt. Praktischerweise sitzen die Tiere in harten Schalen, die fossil gut überliefert werden. Aus Sedimentproben vom Meeresboden lässt sich daher für die Vergangenheit die Besiedlungsdichte der Tiere – und damit die Stärke des Monsuns – abschätzen.

Die Daten der Forscher zeigen, dass der Südwestmonsun im Laufe des Mittelalters zunächst anstieg. Dies stimmt mit dem bekannten Klimaoptimum während des Mittelalters überein, das zur Jahrtausendwende einsetzte und bis etwa 1350 für ein ausgesprochen warmes Klima in Europa und Asien sorgte.

Danach ging die Stärke des Monsuns allmählich zurück und erreichte schließlich um das Jahr 1600 ein deutliches Minimum. Die Forscher erklären diesen Rückgang mit einem ungewöhnlichen Rückgang der Sonnenaktivität. Dieses als Maunder-Minimum bekannte Phänomen beeinflusste das Klima auf der Erde maßgeblich und bescherte Europa die so genannte kleine Eiszeit, die bis etwa 1850 anhielt.

Doch trotz der fast 300 Jahre andauernden kleinen Eiszeit nahm die Stärke des Südwestmonsum ab dem Jahr 1600 immer weiter zu. Besonders drastisch verlief der Anstieg nach einem kurzen Einbruch im 19. Jahrhundert, um schließlich in unserer Zeit einen in den letzten tausend Jahren nie dagewesenen Gipfel zu erreichen.

Natürlich können die Forscher nicht in allen Einzelheiten erklären, worauf dieser rapide Anstieg zurückzuführen ist. Der Verdacht drängt sich allerdings auf, dass die anthropogenen Klimaänderungen der letzten 200 Jahre – bedingt durch den verstärkten Ausstoß klimarelevanter Gase wie Kohlendioxid – hier eine entscheidende Rolle spielten. Beunruhigend ist vor allem, dass der Trend weiter anhält. Damit wird der Südwestmonsum in Zukunft statt segenbringenden Regen immer häufiger katastrophale Überschwemmungen mit sich führen.

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