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Starkregen: Zweite 1000-Jahres-Flut in drei Jahren

Eine Stadt in den USA hat ungewöhnlich großes Pech mit dem Wetter.
Blick ins ehemalige Wohnzimmer eines Hauses, dessen Wände von der Flut 2016 weggespült wurden. Ich vermute, unter den Lampen rechts stand der Esstisch.

Selbst nach den Maßstäben des Klimawandels hat die Kleinstadt Ellicott City ungewöhnliches Pech. Zum zweiten Mal binnen drei Jahren zerstört ein reißender Strom aus Wasser und Schlamm am 27. Mai die Hauptstraße des 65 000-Einwohner-Ortes. Ursache des Unglücks sind schwere Regenfälle in der gesamten Region.

In einigen Gegenden fielen deutlich über 200 Liter pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden. Der subtropische Sturm Alberto zieht feucht-warme Luft vom tropischen Atlantik in den Südosten der USA und füttert so die Unwetter über Land. In der ganzen Region östlich der US-Hauptstadt Washington stehen nun Straßen unter Wasser, doch Ellicott City traf es am härtesten. Das liegt auch an der Topographie: Große Teile des Ortes liegen in einem Tal, in dem die Niederschläge der gesamten Region zusammenfließen. Die wichtigste Geschäftsstraße des Ortes folgt diesem natürlichen Abfluss, so dass sie sich bei starkem Regen in einen reißenden Strom verwandelt.

— Mike Seidel (@mikeseidel) 27. Mai 2018

Dabei hatte sich Ellicott City gerade erst von der letzten solchen Katastrophe erholt: Im Jahr 2016 brachte ein Unwetter der Stadt bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter in kaum zwei Stunden. Zwei Menschen starben, ganze Hausfronten fegte der reißende Strom beiseite. Die Wahrscheinlichkeit solcher Regenfälle liegt, schrieb der Nationale Wetterdienst damals, bei unter 0,1 Prozent – unter normalen Umständen wäre eine solche Flut demnach etwa einmal pro Jahrtausend zu erwarten. Die Umstände sind aber nicht mehr normal, wie die aktuellen Bilder zeigen. Die Flut sei dieses Jahr sogar noch höher als 2016, berichten lokale Medien.

Erst zwei Jahre nach der Katastrophe waren die meisten Geschäfte an der wieder aufgebauten Hauptstraße wieder eröffnet. Noch vor zwei Wochen hatte der Bundesstaat Maryland eine Million Dollar bereitgestellt, um den Schutz des Ortes vor Überschwemmungen zu verbessern. Die heftigen Regenfälle sind Teil eines größeren Trends hin zu extremeren Starkregenereignissen durch den Klimawandel. Andere menschliche Einflüsse wie stärkere Bebauung, die Vegetation und wasserhaltige Böden durch harte Oberflächen ersetzt, und mehr Deiche an Flüssen verschärfen die Gefahr von Sturzfluten und Überschwemmungen zusätzlich.

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