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Äußeres Sonnensystem: Zwergplanet Eris wohl kleiner als Pluto

Suburbia des Sonnensystems: Der Kuiper-Gürtel
Der Miniplanet Eris zieht seine Runden im Kuipergürtel, dem eisigen Geröllfeld an der äußeren Grenze des Sonnensystems, und zehrt dort noch von vergangenem Ruhm: Nach seiner Entdeckung war er kurz als zehnter Planet des Sonnensystems verkauft worden, weil er etwas größer als der etwas sonnennähere Pluto zu sein schien. Beide sind mittlerweile offiziell nur noch "Zwergplaneten", werden deshalb aber nicht unspannend: Eine ganze Reihe von Teleskopen richtete sich gerade auf Eris, um eine seltene Sternbedeckung zu verfolgen. Der ferne Brocken zog dabei vor einem Stern in der Konstellation Walfisch vorbei, und aus der Dauer des Ereignisses kann nun seine Größe exakter bestimmt werden. Vorläufige Resultate von drei erfolgreichen Beobachtergruppen in Südamerika und Spanien verblüffen: Offenbar ist der Zwergplanet doch eindeutig kleiner als Pluto – und daher auch viel dichter, weil er ähnlich massereich ist.

Bedeckung durch ein transneptunes Objekt
Bedeckung durch ein transneptunes Objekt | Da die kleinen Brocken im Kuipergürtel nur sehr wenig Licht reflektieren, können sie nicht direkt beobachtet werden. Ziehen sie allerdings vor leuchtschwachen Sternen vorüber, sollte sich dies in einem kurzen Flackern auf der Erde bemerkbar machen.
Die Daten müssen noch bestätigt werden, am besten durch weitere Beobachtungen von Sternbedeckungen, schreibt unter anderem Mike Brown vom California Institute of Technology. Er hatte Eris mit seinem Team 2005 als neuen Planeten beschrieben. Später bestimmte das Team dann anhand der Umlaufdauer des Eris-Monds Dysnomia, das der Zwergplanet 27 Prozent mehr Masse als Pluto aufweist. Deswegen "hätte ich gewettet, dass Eris größer ist als Pluto", so Brown auf seiner Webseite – "und vielleicht eine Menge Geld verloren".

Die überraschend geringe Größe des Zwergplaneten bedeute, dass der massereiche Eris sehr dicht sein muss. Womöglich finde sich unter der von der Erde aus nachweisbaren Eisschicht reiner Fels, spekuliert Brown. In seiner Kompaktheit ähnelt Eris zudem zwei anderen großen und überraschend dichten Transneptunobjekten, Haumea und Quaoar. Die Daten könnten nun die Diskussion über die Entstehungsprozesse der fernen Kleinplaneten anfachen. (jo)
45. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 45. KW 2010

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