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Übergangsmetalle: Silber

Symbol: Ag
Kategorie: Übergangsmetalle
Ordnungszahl: 47
Relative Atommasse: 107,8682
Schmelzpunkt: 1235,08 K
Siedepunkt: 2485 K
Dichte: 10,49 g cm-3
Elektronegativität: 1,4
Ionisierungsenergie: 7,576 eV
Konfiguration: [Kr] 4d10 5s
Oxidationszahlen: 3, 2, 1
Atomradius: 144,4 pm
Ionenradius: 113 pm (+1)

Wie und wann Silber entdeckt wurde ist unbekannt, Menschen verwenden es schon seit vorgeschichtlicher Zeit. Das silberweiße Metall ist neben Gold und Kupfer eines der wenigen Elemente, die in der Natur als direkt nutzbares Material vorkommen; allerdings ist es in gediegener Form seltener als die anderen beiden Elemente, so dass es zum Beispiel in Ägypten lange Zeit wertvoller als Gold war. Es gibt Indizien dafür, dass Silber schon vor mehr als 6000 Jahren aus seinen Erzen verhüttet wurde, die Technik verbreitete sich allerdings sehr lange nicht, weil das Metall zu weich für technische Anwendungen ist. Lange Zeit war es zwar sehr wertvoll, aber in seiner kleinen Nische zwischen dem »klassischen« Edelmetall Gold und dem ersten »Industriemetall« Kupfer insgesamt weniger interessant. Erst als sich die Silberverhüttung im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung weiter verbreitete, erhielt das Element seine Bedeutung als Münzmetall, die es seit der Antike innehat.

Silber entsteht in massearmen roten Riesensternen und in verschmelzenden Neutronensternen. in der Erdkruste ist es mit einer Konzentration von etwa 80 Nanogramm pro Kilogramm ein recht seltenes Metall, allerdings häufiger als Gold oder die Platinmetalle. Wie Gold und Kupfer ist es ein vergleichsweise unreaktives Metall; es hat die höchste Leitfähigkeit für Strom und Wärme aller Elemente. Es bildet nach Oxidation einfach positiv geladene Ionen mit gefüllter, sehr stabiler d-Schale, deswegen sind andere Oxidationsstufen, anders als bei Kupfer und Gold, bei Silber sehr selten. Mit Luft reagiert Silber nicht, deswegen betrachtet man es als Edelmetall. Seit der Industrialisierung bildet Silber an der Luft allerdings einen schwarzen Überzug aus Schwefelverbindungen.

Obwohl Silber auch als Metall vorkommt, baut man das Element vor allem als Sulfid zusammen mit Blei, Nickel, Kupfer oder Zink ab. Man gewinnt es heute neben Elementen wie Gold, Palladium oder Platin aus dem Anodenschlamm, dem Rückstand der elektrolytischen Reinigung von Metallen wie Kupfer oder Blei. Etwa ein Fünftel des Silbers stammt aus dem Recycling.

Spätestens seit der Antike spielte Silber eine entscheidende Rolle als Münzmetall; seinen Aufstieg verdankte das klassische Athen den nahe gelegenen Silberminen, die römische Wirtschaft und Währung blieb vor allem wegen der Silberminen Spaniens stabil. Das römische Reich produzierte Silber in einem Ausmaß, das bis in die Neuzeit nie wieder erreicht wurde – unter anderem, weil die antiken Zivilisationen die Silbervorkommen des Mittelmeerraums weitgehend erschöpft hatten. Dennoch wurde das Metall auch im Mittelalter in großen Mengen abgebaut. Nach der Eroberung Amerikas machte Silber aus Peru und anderen südamerikanischen Ländern das spanische Weltreich möglich – Argentinien ist sogar nach dem Element benannt. Einige der bedeutendsten Münzen der Weltgeschichte waren aus Silber, darunter der römische Denarius, der mittelalterliche Taler – benannt nach den Silberminen von Joachimsthal, heute Jáchymov – sowie der spanische Silberdollar, der unter anderem in der Piratenliteratur als »Piece of Eight« verewigt ist.

Neben seiner Verwendung als Münzmetall ist Silber bis heute ein wichtiges Schmuckmetall, wegen seiner geringen Festigkeit meistens als Legierung. Außerdem dient es als reflektierende Beschichtung für Spiegel – der »Silberspiegel«, bei dem das Metall auf Glas abgeschieden wird, ist ein einfacher und beliebter Schulversuch. In der Elektronik spielt Silber wegen seiner hohen Leitfähigkeit eine Rolle als Bauteil, unter anderem in Form von Folien und pulverisiert als leitende Paste. Silberionen sind antibakteriell, deswegen ist Silber in Wundverbänden und einigen medizinischen Geräten wie Kathetern enthalten, ebenso wie in Textilien und Haushaltsmaterialien. In der klassischen Fotografie ist Silber Teil lichtempfindlicher Emulsionen.

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