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Ach, Mensch!: Beginnt Adipositas im Gehirn, Jens Brüning?

Krankhaftes Übergewicht zählt heute zu den größten Gesundheitsproblemen weltweit. Die Erkrankung erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele weitere gesundheitliche Probleme. Jens Brüning erforscht die Ursachen und untersucht, wie unser Gehirn den Stoffwechsel steuert. Darum geht es in der Podcast-Folge von »Ach, Mensch!«.
Eine Ärztin misst den Bauchumfang eines übergewichtigen Mannes.

Woher kommen Hunger- und Sättigungsgefühl?

Wer schon einmal versucht hat abzunehmen, kennt das Gefühl: Obwohl der feste Vorsatz steht, weniger zu essen, greifen wir am Ende doch zum Snack. Lange wurde Übergewicht deshalb vor allem als Frage von Disziplin betrachtet. Doch die moderne Stoffwechselforschung zeichnet ein deutlich komplexeres Bild.

Tatsächlich steuert unser Gehirn gemeinsam mit Hormonen und Nervenzellen, wann wir Hunger verspüren, wann wir satt sind, und wie unser Körper Energie verarbeitet. Warum manche Menschen leichter zunehmen als andere und weshalb reine Willenskraft oft nicht ausreicht, beschäftigt die Forschung bis heute.

»Das Körpergewicht ist genauso reguliert wie andere physiologische Prozesse, also wie zum Beispiel der Blutdruck.«Prof. Dr. Jens Brüning, MPI für Stoffwechselforschung Köln

Der Geruch von Essen als Vorbote

Essen beginnt nicht erst mit dem ersten Bissen. Schon der Geruch einer Mahlzeit löst im Körper zahlreiche Prozesse aus. Während die Speichelproduktion angeregt wird, stellt sich auch die Leber auf die bevorstehende Nahrungsaufnahme ein. Prof. Dr. Jens Brüning ist Direktor am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln und konnte mit seinem Team zeigen, dass das Gehirn bereits beim Riechen von Essen Signale an Stoffwechselorgane sendet und so den Übergang vom Fasten zum Essen vorbereitet.

»Schon wenn wir Essen riechen, wird das Signal an die Leber gesendet: Da wird jetzt gleich Zucker kommen.«Prof. Dr. Jens Brüning, MPI für Stoffwechselforschung Köln

Diese Mechanismen sind nicht nur faszinierend, sondern könnten auch helfen, Diabetes besser zu verstehen. Denn bei Menschen mit Typ-II-Diabetes funktioniert die Umschaltung des Stoffwechsels häufig nicht mehr richtig.

Suche nach den Schaltzentralen des Stoffwechsels

Um die Ursachen von Übergewicht und Diabetes besser zu verstehen, kartieren Forschende heute die Nervenzellen des Hypothalamus, denn dieser Abschnitt im Zwischenhirn ist eine der zentralen Schaltstellen für Hunger und Stoffwechsel. Mithilfe moderner Methoden hat Brünings Team Hunderte verschiedene Nervenzelltypen identifiziert und untersucht, wie diese miteinander kommunizieren.

Dieses Wissen hilft auch dabei, neue Therapien zu entwickeln. Medikamente wie die sogenannten GLP-1-Analoga, zu denen auch die »Abnehmspritze« Ozempic gehört, haben die Behandlung von Adipositas in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Doch auch sie sind kein Wundermittel.

In dieser Folge von »Ach, Mensch!« spricht detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes mit Jens Brüning darüber, warum der Körper nach einer Diät verlorene Kilos oft zurückhaben möchte, weshalb Abnehmspritzen nur ein Teil der Lösung sind und welche Rolle unser Lebensstil dabei spielt.

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