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detektor.fm: Unfruchtbarkeit: Wie lässt sie sich behandeln, Melina Schuh?

Für viele Frauen ist es ein sensibles Thema: Will ich Kinder bekommen – und wenn ja, wann? Viele erleben dabei einen Zwiespalt: Es ist heute ganz normal, erst in den 30ern Mutter zu werden. Gleichzeitig wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, schwanger zu werden, und Risiken werden größer. Wie die Forschung dabei helfen kann, den Kinderwunsch zukünftig leichter zu erfüllen, wird in der Folge des Podcasts »Ach, Mensch!« diskutiert.
ein Foto zeigt eine Schwangere in weißem Trägertop und schwarzer Hose, die auf dem Sofa sitzt und die Hände vor dem. Babybauch verschränkt hat. Das Gesicht ist nicht zu sehen.

Was steckt hinter der biologischen Uhr?

Ab einem Alter von 30 Jahren liegt das Risiko für eine Fehlgeburt bei zwölf bis zwanzig Prozent. Ab 35 endet fast jede dritte Schwangerschaft schon vor der zwölften Schwangerschaftswoche. Auch deshalb ist die Zahl der Kinderwunschbehandlungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ein Weg, der körperlich und psychisch belastend sein kann. Und oft auch teuer ist.

Doch auch bei einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) sinken mit dem Alter die Erfolgschancen. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen bereits vor ihrer Geburt mit allen Eizellen ausgestattet werden, die sie jemals zur Verfügung haben.

»Wenn ein weiblicher Fötus sich in der Gebärmutter entwickelt, dann werden schon ganz früh die Eizellen angelegt. Diese Eizellen müssen dann das ganze Leben lang reichen. Und das bedeutet, dass eine 40-jährige Frau auch 40-jährige Eizellen hat. Diese Eizellen gehen zunächst in einen Ruhestand über und werden dann erst in der Pubertät wieder aktiviert.«Melina Schuh, Direktorin am MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen

Diese Eizellen »altern« also mit dem Körper mit, ehe sie irgendwann befruchtet werden. Während dieser langen Lagerung entstehen Schäden und Alterungsprozesse. Chromosomen können sich mit der Zeit voneinander lösen oder fehlerhaft verteilt werden — häufig mit schwerwiegenden Folgen für die Fruchtbarkeit.

Der Ursprung allen Lebens unter dem Mikroskop

Melina Schuh ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und erforscht mit ihrem Team, wie menschliche Eizellen altern und warum dabei so häufig Fehler entstehen. Ihrem Team ist es erstmals gelungen, die Reifung einer menschlichen Eizelle live zu filmen. Dabei konnten die Forschenden beobachten, wie die sogenannte Spindel arbeitet — eine Struktur aus Proteinfasern, die während der Reifung der Eizelle die Chromosomen korrekt verteilt.

Überraschend war: Die menschliche Spindel ist deutlich fragiler und fehleranfälliger als etwa bei Mäusen, die zuvor als wichtigstes Forschungsmodell dienten. Fehler bei der Chromosomentrennung führen dazu, dass Eizellen zu viele oder zu wenige Chromosomen enthalten. Das kann Fehlgeburten verursachen oder verhindern, dass überhaupt eine Schwangerschaft entsteht.

»Selbst bei jungen Frauen haben 20 bis 25 Prozent der Eizellen Fehler.«Melina Schuh

Hoffnung für zukünftige Kinderwunschbehandlungen

Melina Schuh und ihr Team haben außerdem Ansätze entwickelt, um die Stabilität der Spindel zu verbessern und das Auseinanderfallen von Chromosomen teilweise zu verhindern. Ziel ist es, künftig mehr gesunde Eizellen für Kinderwunschbehandlungen nutzbar zu machen und die Erfolgschancen von IVF zu erhöhen. Mit ihrem Start-up Ovo Labs arbeitet Schuh daran, ihre Forschungsergebnisse so schnell wie möglich für die Praxis zugänglich zu machen.

In dieser Folge von »Ach, Mensch!« sprechen Prof. Dr. Melina Schuh und detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes über den Ursprung des Lebens, alternde Eizellen — und darüber, wie moderne Forschung Kinderwunschbehandlungen in Zukunft erfolgreicher machen könnte.

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