Ach, Mensch!: Virtuelle Körpermodelle bei Anorexie

Wenn jedes Gramm zum Problem wird
Fast 460 000 Menschen in Deutschland leiden an einer diagnostizierten Essstörung. Die häufigste Form ist die Anorexia nervosa, auch bekannt als Magersucht, von der vor allem junge Menschen betroffen sind: Mehr als die Hälfte der Diagnostizierten sind unter 18 Jahre alt. Darunter sind deutlich mehr Mädchen als Jungen.
Die Ursachen einer Essstörung sind komplex und individuell. Gesellschaftliche Schönheitsideale oder soziale Medien können eine Rolle spielen, gelten aber nicht als alleinige Verursacher. Häufig stecken hinter einer Essstörung Themen wie Kontrolle, Selbstwert und der Umgang mit belastenden Lebenssituationen. Auch die Coronapandemie führte zu einem Anstieg der Fälle. Fachleute beobachten bis heute eine erhöhte Zahl an erkrankten Jugendlichen und teilweise schwerere Verläufe.
VR-Behandlung bei Magersucht
Um Patientinnen und Patienten bei der Behandlung zu unterstützen, erforscht Simone Behrens am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen den Einsatz von Virtual Reality (VR). In einer speziell entwickelten Umgebung setzen Betroffene eine VR-Brille auf und erleben sich in einem gesunden, normalgewichtigen Körper. Der Ansatz orientiert sich an Methoden der Verhaltenstherapie. Ähnlich wie bei der Behandlung von Phobien werden Betroffene mit einer Situation konfrontiert, die ihnen Angst macht – in diesem Fall mit der Vorstellung einer Gewichtszunahme.
»Wir können in der VR das individuelle Horrorszenario simulieren und gemeinsam anschauen, was tatsächlich passiert.«Dr. Simone Behrens, MPI für Intelligente Systeme Tübingen
Zukunft für Kliniken
Noch handelt es sich bei den Anwendungen um Forschungsprototypen. Bevor VR in größerem Umfang in Kliniken eingesetzt werden kann, müssen Nutzen und Finanzierung weiter untersucht werden. Dennoch sieht Behrens großes Potenzial für technische Hilfsmittel in der Psychotherapie.
»Ziel ist nicht, die Psychotherapie von Grund auf zu verändern, aber zu gucken, an welcher Stelle wir uns durch technische Hilfsmittel tatsächlich das therapeutische Leben leichter machen können.«Dr. Simone Behrens, MPI für Intelligente Systeme Tübingen
Zukunft für Kliniken
Noch handelt es sich bei den Anwendungen um Forschungsprototypen. Bevor VR in größerem Umfang in Kliniken eingesetzt werden kann, müssen Nutzen und Finanzierung weiter untersucht werden. Dennoch sieht Behrens großes Potenzial für technische Hilfsmittel in der Psychotherapie.
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