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Ach, Mensch!: Warum ist Tanzen die beste Medizin?

Warum fühlen wir uns nach dem Tanzen oft freier, leichter und glücklicher? Die Neurowissenschaftlerin Julia F. Christensen erforscht, was beim Tanzen im Gehirn passiert. Im Podcast »Ach, Mensch!« erklärt sie, weshalb Tanzen weit mehr ist als ein schönes Hobby.
Die Beine von Mann und Frau bei einem klassischen Tanz auf dem Parkett

Tanz macht glücklich

Viele kennen das Gefühl: Kaum läuft die Lieblingsmusik, beginnt der Körper sich wie von selbst zu bewegen. Nach dem Tanzen wirkt manches leichter, die Stimmung ist besser und der Kopf freier. Zufall ist das nicht, weiß Dr. Julia F. Christensen. Die ehemalige Profitänzerin forscht mittlerweile als Neurowissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und hat gemeinsam mit dem Forscher Dong-Seon Chang das Buch »Tanzen ist die beste Medizin: Warum es uns gesünder, klüger und glücklicher macht« veröffentlicht.

»Im Tanzen steckt ganz schön viel Wissenschaft drin. Mehr als ich je als Tänzerin erwartet hatte.«Dr. Julia F. Christensen, Neurowissenschaftlerin am MPI für empirische Ästhetik

Das Tanzen vereint drei wichtige Aspekte, die es von anderen Sportarten abheben: Zum einen ist Tanz eine aerobe Sportart, die Herz, Lunge und Stoffwechsel trainiert und uns gesund hält. Die Kombination mit Musik ermöglicht es uns, unsere Gefühle auszudrücken. Außerdem ist Tanzen eine soziale Aktivität, die Bindungshormone freisetzt und uns Soft Skills lehren kann.

Tango gegen Parkinson

Tanzen fordert nicht nur Muskeln, sondern auch das Gehirn. Wer Schrittfolgen lernt, sich im Raum orientiert, den Takt hält und mit anderen synchron bewegt, trainiert gleichzeitig Gedächtnis, Koordination und Aufmerksamkeit. Forschende haben bereits herausgefunden, dass ältere Menschen, die in ihrem Leben regelmäßig getanzt haben, seltener an alterbedingter Demenz erkranken.

Eine Studie zeigte außerdem, dass Parkinsonpatienten und -patientinnen insbesondere von regelmäßigem argentinischen Tango profitieren können. Entscheidend dabei ist die Neuroplastizität unseres Gehirns, also die Fähigkeit, neue Verknüpfungen zu machen, wenn wir bestimmte Abläufe beständig wiederholen.

»Wenn ich kognitive Effekte möchte, dann suche ich mir einen Tanzstil aus, der viel Koordination erfordert. Wenn ich psychisch belastet bin, suche ich mir vielleicht einen Tanzstil, bei dem ich an meine Gefühle herankomme, etwa durch Improvisation oder Bewegungstherapie.«Dr. Julia F. Christensen, Neurowissenschaftlerin am MPI für empirische Ästhetik

Evolutionärer Ursprung

Schon Babys bewegen sich rhythmisch zu Musik, lange bevor sie sprechen können. Und in nahezu jeder Kultur gehört Tanzen zu Festen, Ritualen oder wichtigen Lebensereignissen. Für Julia F. Christensen könnte genau darin der evolutionäre Ursprung liegen: Gemeinsame, synchrone Bewegung stärkt den Zusammenhalt einer Gruppe und fördert Empathie und Kooperation.

In dieser Folge von »Ach, Mensch!« spricht detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes mit Neurowissenschaftlerin Julia F. Christensen über ihren Weg vom Tanz in die Wissenschaft und warum manchmal schon ein paar Minuten Tanzen im Wohnzimmer reichen, um Körper und Geist etwas Gutes zu tun.

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