Ach, Mensch!: Welche Folgen hat Rassismus für unsere Gesundheit?

Rassismus macht krank
Gesundheit sollte für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein. Doch für viele Menschen in Deutschland sieht die Realität anders aus. Rassismus und Diskriminierung wirken dabei doppelt: Sie entscheiden nicht nur darüber, wie gut Menschen medizinisch versorgt werden, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Betroffenen.
»Rassismus wird oft als ein gesellschaftliches oder auch ein politisches Thema verstanden — und nicht als ein Gesundheitsthema.«Muna Aikins, MPI für Bildungsforschung
Am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung forscht Dr. Muna Aikins dazu, wie wiederkehrende Rassismuserfahrungen im Kindesalter chronischen Stress verursachen, der langfristig negative gesundheitliche Folgen haben kann. Neben psychischen Krankheiten, wie Depressionen oder Angststörungen, kann sich chronischer Stress auch auf das Herz-Kreislauf-System auswirken und letztlich die Lebenserwartung verkürzen.
Afrozensus 2020
Dass schwarze Menschen in Deutschland in vielen Lebensbereichen diskriminiert werden, konnte im »Afrozensus 2020« nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um die erste umfassende Studie zu den Lebensrealitäten Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland. Muna Aikins hat die Untersuchung als leitende Wissenschaftlerin betreut.
Die Ergebnisse machen sichtbar, wie häufig Diskriminierung im Gesundheitswesen erlebt wird. Etwa, wenn Schmerzen nicht ernst genommen oder Beschwerden vorschnell psychologisiert werden. Aikins erklärt, warum diese Erfahrungen keine Einzelfälle sind, sondern auf strukturelle Probleme hinweisen, und weshalb fehlende Daten lange dazu beigetragen haben, Rassismus im deutschen Gesundheitssystem unsichtbar zu machen.
»Ich finde es wichtig, dass wir unser Gesundheitssystem so verändern und transformieren, dass es die Vielfalt der Bevölkerung nicht als Herausforderung betrachtet, sondern als Normalität.«Muna Aikins, MPI für Bildungsforschung
Ein Gesundheitssystem für alle
Damit sich das Gesundheitssystem langfristig verändert, braucht es nach Ansicht von Muna Aikins vor allem eine andere Ausbildung von medizinischem Personal. Ärztinnen, Ärzte und Therapeutinnen müssten lernen, welche gesundheitlichen Folgen Rassismus haben kann und wie sich Vorurteile oder Wissenslücken auf Diagnosen und Behandlungen auswirken. Gleichzeitig gehe es darum, mehr Diversität in medizinischen Berufen zu fördern und Leitlinien sowie Lehrmaterialien zu überarbeiten.
Wie wirkt sich Rassismus auf Körper und Psyche aus? Welche Rolle spielt der Afrozensus für die Forschung und was muss sich im Gesundheitswesen ändern? Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes in dieser Folge von »Ach, Mensch!« mit Dr. Muna Aikins.
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