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Geschichten aus der Mathematik: Alexander Grothendieck und die Einsamkeit der Gedanken

Alexander Grothendieck gilt als Rebell in der Mathematik: Er gibt sich nicht mit einfachen Lösungen für einzelne Probleme zufrieden. Er will mehr. Bis er plötzlich verschwindet.
Eine Person sitzt auf einer Bank und blickt auf einen ruhigen See, der von schneebedeckten Bergen umgeben ist. Der Boden ist teilweise mit Schnee bedeckt, und der Himmel ist klar mit einigen Wolken. Die Szene vermittelt eine ruhige und friedliche Winterlandschaft.

Die Lebensgeschichte von Alexander Grothendieck ist von einer gewissen Tragik geprägt. Grothendieck wird 1928 in eine Zeit hineingeboren, die von Unsicherheit, Umbrüchen und Armut geprägt ist: Erst bricht die Weltwirtschaft zusammen, dann der Zweite Weltkrieg aus. Als uneheliches Kind eines jüdischen Anarchisten aus Russland und einer deutschen Journalistin sind die ersten fünfzehn Jahre seines Lebens von Verfolgung, Rebellion, Krieg und Verlusten geprägt. Sein Vater wird von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet; seine Mutter und er überleben die Terrorherrschaft in Europa und ziehen in den Süden Frankreichs.

Inzwischen hat Grothendieck seine Leidenschaft für die Mathematik entdeckt. Er will alles wissen, und zwar möglichst genau. Aber weil es in der Mathematik immer noch viele offene Fragen gibt, macht er es sich zu seiner Aufgabe, eben selbst so viel wie möglich herauszufinden.

In Montpellier studiert Grothendieck Mathematik, wechselt schließlich an eine Eliteuni in Paris und schließt 1953 in Nancy erfolgreich seine Dissertation über topologische Vektorräume ab. Nach Zwischenstopps in São Paulo und Kansas findet er schließlich eine Stelle am renommierten »Institut des hautes études scientifiques« in Paris. Von dort aus revolutioniert er die algebraische Geometrie: Statt sich nur einzelnen Problemen zu widmen, wagt Grothendieck den Blick aus der Vogelperspektive und stellt eine Theorie nach der nächsten auf, um einzelne Teile der Mathematik miteinander zu verbinden.

Vom Preisträger zum Eremiten

Den Höhepunkt seiner Karriere stellt schließlich die Auszeichnung mit der Fields-Medaille in den 1960er-Jahren dar — schnell gefolgt von seinem absoluten Tiefpunkt. Nicht nur boykottiert Grothendieck die Medaillenverleihung in Moskau, er kündigt auch kurz darauf seinen Job und verschwindet. Nicht nur aus der Mathecommunity, sondern aus der gesamten Gesellschaft. Über Jahrzehnte wissen nur sehr wenige Menschen, wo Grothendieck ist. Das Ende der großen Mathematikerkarriere ist auch der Anfang von Grothendiecks Mythos.

Wohin es Grothendieck verschlägt, was er in den Jahren bis zu seinem Tod macht und welche Rolle er in seiner relativ kurzen Zeit als großer Mathematiker bis heute für die Wissenschaft spielt, bespricht detektor.fm-Moderatorin Rabea Schloz mit Manon Bischoff und Demian Nahuel Goos von»Spektrum der Wissenschaft«.

»Geschichten aus der Mathematik« ist ein detektor.fm-Podcast in Kooperation mit Spektrum der Wissenschaft. Die Idee für diesen Podcast ist durch Demian Nahuel Goos am MIP.labor entstanden, der Ideenwerkstatt für Wissenschaftsjournalismus zu Mathematik, Informatik und Physik an der Freien Universität Berlin, ermöglicht durch die Klaus Tschira Stiftung.

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