Spektrum-Podcast: »Die Scham muss die Seite wechseln«, aber wie?

Content Note: In diesem Beitrag geht es um sexualisierte Gewalt und ihre psychischen Folgen.
»Die Scham muss die Seite wechseln!« Diesen bemerkenswerten Satz sagte die Französin Gisèle Pelicot im Rahmen des Prozesses gegen ihre Vergewaltiger. Viele Jahre lang hatte ihr Mann sie immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und auch von Fremden vergewaltigen lassen. Ende 2024 wurde der Hauptangeklagte zur Höchststrafe von 20 Jahren verurteilt; 50 weitere Männer wurden wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen.
Das Besondere: Gisèle Pelicot setzte durch, dass der Prozess öffentlich geführt wurde. So bekam das Thema sexualisierte Gewalt viel Aufmerksamkeit. Auch in Zeiten von #metoo und Epstein-Files ist das noch immer die Ausnahme. Oft haben Betroffene keine Lobby, viele Delikte und Täter werden gar nicht angezeigt.
Sexualisierte Gewalt ist weit verbreitet
Dabei berichten in Umfragen rund 30 Prozent der Frauen in der EU von Erfahrungen mit körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Studien zeigen zudem, dass sich viele Opfer gar nicht als solche erkennen. Das liegt vor allem an klischeehaften Vorstellungen davon, wie sexualisierte Gewalt aussieht. So ist es meistens nicht der Fremde im Park, sondern jemand aus dem näheren Umfeld, der die Tat begeht. Auch sind Betroffene danach nicht immer emotional aufgewühlt und sie müssen sich auch nicht zwangsläufig während der Tat zur Wehr setzen.
Wie Medien mit solchen Fällen umgehen, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Häufig liegt der Fokus auf den Tätern. Um die Opfer und ihre Perspektive geht es dagegen selten.
Liesa Bauer ist Psychologin und erklärt im Gespräch mit Moderator Marc Zimmer, was den Fall Pelicot besonders macht und welche Irrtümer und Klischees über die Opfer sexualisierter Gewalt noch immer existieren.
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