Geschichten aus der Mathematik: Von Hochzeiten, Trikots und Nickerchen beim Abelpreis

Der Abelpreis soll ein Pendant zum renommierten Nobelpreis sein – denn für Mathematik gibt es keinen. Seit 2002 kommt die Mathecommunity regelmäßig Ende Mai in Oslo zusammen, um Lebenswerke, bahnbrechende Entdeckungen und Nachwuchstalente aus den eigenen Reihen zu feiern.
Demian Nahuel Goos war in diesem Jahr bei der Verleihung dabei und begeistert von der Liebe zum Detail während der Abelpreis-Woche. Er sagt: Während der Preisverleihung war bis hin zur Musik alles durchdacht, auf den diesjährigen Preisträger Gerd Faltings zugeschnitten und insgesamt abgestimmt. In seinen Gesprächen vor Ort hat Demian aber auch mitbekommen, dass bei dieser großen Veranstaltung nicht immer alles glatt läuft. Über die Jahre ist es immer mal wieder zu kuriosen Situationen, Fauxpas und kleinen Pannen gekommen.
Robert Langlands und das verhaltene Telefonat
Da ist beispielsweise der kanadische Mathematiker Robert Langlands, der auf die Neuigkeit, dass er den Abelpreis verliehen bekommen soll, eher verhalten reagiert, um Bedenkzeit bittet und auflegt. Er hat in den späten 1960er-Jahren die Vermutung aufgestellt, dass sich unterschiedliche Bereiche der Mathematik miteinander verknüpfen lassen. Das sogenannte Langlands-Programm dient als eine Art Übersetzungswörterbuch für die Bereiche der Analysis, Algebra und der Zahlentheorie. Für seine langjährige Arbeit, die Hunderte Mathematiker und Mathematikerinnen inspiriert hat, sollte er 2018 den Abelpreis erhalten. Ob das wohl noch geklappt hat?
Luis Caffarelli und der Weltfußball
Da ist außerdem der »Messi of Mathematics«: Luis Caffarelli. Als ihm 2023, nur wenige Monate nach dem Ende der Männer-Fußball-WM, der Abelpreis verliehen werden soll, sucht das Preiskomittee nach einer markanten Medienstrategie. Caffarelli kommt aus Argentinien – dem Land, das gerade erst mit seinem Star Lionel Messi die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Der »Messi of Mathematics« ist geboren. Als er schließlich den Preis für seine Arbeit an partiellen Differenzialgleichungen verliehen bekommt, spielt der Fußball eine wohl größere Rolle, als die norwegische Akademie der Wissenschaften beabsichtigt hatte.
Michail Gromow und der Schlaf der Gerechten
Und da ist der Forscher Michail Gromow, der 2009 den Abelpreis für seine »revolutionären Beiträge in der Geometrie« bekommt. Bei der Preisverleihung selbst verläuft noch alles reibungslos. Als Gromow jedoch zum feierlichen Bankett erscheinen soll, fehlt von ihm plötzlich jede Spur. Schnell stellt sich heraus: Statt im Smoking auf dem Weg zur Festung Akershus in Oslo zu sein, liegt Gromow noch im Bett. Ob er es rechtzeitig zum Dinner geschafft hat?
Über das und mehr spricht detektor.fm-Moderatorin Rabea Schloz mit Demian Nahuel Goos und Manon Bischoff von »Spektrum der Wissenschaft«.
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