Die großen Fragen der Wissenschaft: Was ist Liebe, Beate Ditzen?

Crazy in Love
Fast alle kennen das Gefühl, verliebt zu sein: Plötzlich dreht sich alles um den einen, scheinbar perfekten Menschen, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, manche haben keinen Hunger oder können nicht schlafen. So schön sich Verliebtheit anfühlen mag, für den Körper ist diese Phase offenbar extrem anstrengend. In Messungen zeigen alle körperlichen Parameter von Verliebten eine extreme Stressreaktion, sagt die Psychologin Beate Ditzen. Unpraktischerweise fällt es uns gerade dann, wenn wir nicht negativ auffallen wollen, besonders schwer, nicht rot zu werden oder zu schwitzen. Und plötzlich sind wir bereit, für einen Menschen, den wir kaum kennen, eine Bank auszurauben.
Liebe hat viele Gesichter
Geht die Verliebtheitsphase nach einigen Monaten in eine stabile Partnerschaft über, ändert sich auch das Liebesgefühl. Die Nähe zum Partner oder zur Partnerin löst weniger Herzklopfen aus, kann nun sogar beruhigend wirken. Die Verknalltheit wird von einer sicheren, vertrauensvollen Bindung abgelöst. Das fühlt sich nicht nur anders an, sondern ist auch mit etlichen physiologischen Effekten verbunden. Insbesondere das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin spielt dabei eine große Rolle: In Kombination mit körperlicher Nähe und Sex kann es sogar für eine schnellere Wundheilung sorgen.
»Wie unglaublich stark Liebe als Motivator ist, und wie wenig rational wir fähig sind, das zu kontrollieren — das finde ich nach wie vor sehr verblüffend«Beate Ditzen, Biopsychologin und Paartherapeutin
Eine rein physiologische Betrachtung greift allerdings ohnehin zu kurz, um das Wesen der Liebe vollständig zu erfassen, sagt Beate Ditzen. Wie liebesfähig wir sind und auf welche Art und Weise wir lieben, ist auch stark von unseren persönlichen Erfahrungen und kulturellen Prägungen beeinflusst.
Wie kann ein Gefühl so unterschiedliche, geradezu gegensätzliche Ausprägungen haben? Lieben Frauen anders als Männer? Warum können wir Oxytocin nicht als Liebes-Elixier einsetzen, und wieso sind ausgerechnet Wühlmäuse so wichtig für die Erforschung der Liebe? All das erfahrt ihr in dieser Folge von »Die großen Fragen der Wissenschaft« mit Beate Ditzen. Sie ist Professorin für Klinische Biopsychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich und ausgebildete Paartherapeutin.
»Die großen Fragen der Wissenschaft«
Was ist Zeit? Woher kommt das Leben? Wie ist das Universum entstanden? Im Podcast »Die großen Fragen der Wissenschaft« laden die Spektrum-Redakteure Katharina Menne und Carsten Könneker ein zu faszinierenden Reisen an die Grenzen unseres Wissens – von Quantenphysik bis Neurowissenschaft, von Meeresforschung bis Kosmologie. Sie fragen, was Forscherinnen und Forscher über die Welt, die Naturgesetze und das Leben wissen, wie sie arbeiten und was sie motiviert.
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