Forschungsquartett: Autophagie – Die Superkraft der Zellen

Das Forschungsquartett – dieses Mal in Kooperation mit dem MaxDelbrückCenter für Molekulare Medizin
Autophagie – das Recyclingsystem der Zellen
Autophagie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Selbstverdauung. Sie ist ein natürlicher Prozess, mit dem Zellen beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile abbauen und wiederverwerten. Beschädigte Bestandteile werden entfernt, der Körper bekommt Energie (z. B. während einer Fastenperiode) und auch das Immunsystem wird unterstützt, weil Krankheitserreger in den Zellen abgebaut werden. Prof. Dr. Katja Simon vom MaxDelbrückCenter für Molekulare Medizin hat untersucht, wie mithilfe der Autophagie das Altern von Immunzellen verlangsamt werden kann.
»Wenn das Immunsystem altert, kann auch der ganze Körper damit altern. Deswegen ist es besonders wichtig, das Immunsystem jung zu halten.«Prof. Dr. Katja Simon, Max Delbrück Center für Molekulare Medizin
Mehr Entzündungen
Autophagie spielt eine wichtige Rolle dabei, Immunzellen funktionsfähig zu halten. Mit zunehmendem Alter nimmt die Autophagie in vielen Zelltypen ab. Das gilt auch für bestimmte Immunzellen und trägt wahrscheinlich zur sogenannten Immunalterung (Immunoseneszenz) bei. Das führt unter anderem dazu, dass Immunzellen mehr Entzündungsproteine ausschütten, was eine chronische Entzündung im ganzen Körper auslöst. Die wiederum ist die Ursache für Symptome wie Gelenkschmerzen oder eine Verschlimmerung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz. Verminderte Autophagie steht auch in Zusammenhang mit einer geringeren Wirkung von Impfungen im Alter.
»Wir haben festgestellt, wenn wir Autophagie-Level wieder erhöhen, dass sich dann auch die Impfantworten wieder verbessern – vor allen Dingen in den Menschen, die eine besonders schlechte Impfantwort hatten.«Prof. Dr. Katja Simon
Alterszipperlein – bald Schnee von gestern?
In Tiermodellen und Zellstudien konnten Maßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität oder Kalorienrestriktion die Autophagie steigern und teilweise altersbedingte Veränderungen des Immunsystems abschwächen. Ob diese Ansätze die Immunalterung beim Menschen dauerhaft verlangsamen oder sogar umkehren können, ist jedoch noch nicht eindeutig belegt. Prof. Dr. Katja Simon arbeitet daran und bislang sind ihre Forschungsergebnisse vielversprechend.
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