Forschungsquartett: Batterie-Boom: Wirtschaftsmotor der Energiewende?

Deutschland investiert massiv in stationäre Batteriespeicher: Allein im ersten Quartal dieses Jahres gingen Systeme mit einer Kapazität von zwei Gigawatt neu ans Netz. Insgesamt verfügt Deutschland bereits über 28 Gigawattstunden Speicherkapazität – eine Menge, die dem täglichen Stromverbrauch aller Privathaushalte in Berlin und Hamburg entspricht. Doch was steckt hinter diesem rasanten Wachstum?
Ernstzunehmender ökonomischer Faktor
Der primäre Treiber ist ein drastischer Preisverfall. Kostete eine Kilowattstunde Speicherkapazität vor 30 Jahren noch rund 5000 Euro, ist dieser Preis heute auf etwa 50 Euro gesunken. Damit sind Batteriespeicher kein reines »Nice-to-have« mehr, sondern ein ökonomischer Faktor. Während die Zellproduktion primär in China stattfindet, konzentriert sich die deutsche Industrie auf die Systemintegration. Unternehmen nutzen Speicher zunehmend, um ihre Strompreise zu stabilisieren und sich gegen Netzschwankungen abzusichern.
Zukunft liegt im Recycling
Ein zentraler Kritikpunkt bleibt oft der Rohstoffbedarf. Prof. Dr. Volker Quaschning räumt zwar Umweltnachteile beim Abbau ein, betont jedoch den entscheidenden Vorteil gegenüber fossilen Brennstoffen: Ein Batteriespeicher ist eine Einmalleistung. Während ein Verbrenner jedes Jahr »badewannenweise Erdöl« benötigt, hält eine Batterie im Auto oder im Netz etwa 20 Jahre. Der Schlüssel für die Zukunft liegt laut Quaschning im Recycling, für das technisch bereits Quoten von über 90 Prozent möglich sind. Die wirtschaftliche Vision ist dabei klar: die zirkuläre Unabhängigkeit.
»Wenn wir die Materialien einmal in Europa im Land haben und dann zu hundert Prozent Recycling kommen, dann werden wir ja komplett unabhängig, weil wir dann aus den alten Anlagen wieder neue herstellen können.«Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin
Nächste Innovation steht bevor
Mit neuen Technologien wie der Natrium-Ionen-Batterie oder Feststoffakkus steht der nächste Innovationssprung bereits bevor, der die Abhängigkeit von knappen Rohstoffen weiter verringern könnte. Die Energiewende ist damit längst keine reine Klimafrage mehr, sondern ein handfester wirtschaftlicher Wettbewerb.
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