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Forschungsquartett: Fettzellen: Mehr als faule Kalorienspeicher

Fettgewebe galt lange Zeit als passiver Energiespeicher. Doch neue Forschungen zeigen: Es ist ein komplexes Organ, das aktiv unser Immunsystem und den Stoffwechsel steuert. Das wird in der Folge des Podcasts »Forschungsquartett« besprochen.
Eine mikroskopische Aufnahme von menschlichem Fettgewebe, das in einem Querschnitt dargestellt ist. Links zeigt das Bild eine histologische Färbung mit weißen Fettzellen, die als große, runde Strukturen erscheinen, umgeben von rosa gefärbtem Bindegewebe. Ein vergrößerter Ausschnitt, bei dem es sich um eine  computergenerierte Illustration handelt, hebt die Struktur der Fettzellen hervor, die als große, gelbliche Kugeln mit roten Zellkernen erscheinen. Die Darstellung verdeutlicht die Anordnung und Beschaffenheit von Fettgewebe auf zellulärer Ebene.

Das Forschungsquartett – heute in Kooperation mit dem HI-MAG Leipzig, einem Institut von Helmholtz Munich und der Universitätsmedizin Leipzig

Lange Zeit galt Körperfett nur als lästiges Überbleibsel zu vieler Kalorien. Doch die moderne Wissenschaft räumt mit diesem Image gründlich auf. Fettzellen sind keineswegs nur passive Speicher, sondern hoch spezialisierte Akteure in einem komplexen Kommunikationsnetzwerk, das unseren gesamten Körper beeinflusst.

Fettzellen als Immunwächter

Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre ist bekannt, dass Fettgewebe Hormone wie Leptin ausschüttet, die unseren Appetit regulieren. Doch die wahre Vielfalt offenbart sich erst jetzt durch modernste Analysen.

»Man hat also festgestellt, dass Fettzellen viel mehr machen können. Fettzellen steuern zum Beispiel die Immunantwort.«Dr. Lucas Massier, Gruppenleiter für Mikroarchitektur und Stoffwechsel des Fettgewebes am HI-MAG

Besonders spezialisierte Zellen schütten Proteine wie SAA1 aus, um bakterielle Bestandteile abzuwehren, die aus dem Darm in das Gewebe gelangen.

Landkarte des Fettdepots

Mithilfe der Einzelkern- und räumlichen Sequenzierung konnte das Team am HI-MAG zeigen, dass Fettzelle nicht gleich Fettzelle ist. Da Fettzellen für herkömmliche Analysen oft zu groß sind, untersuchen die Forscher und Forscherinnen gezielt deren Zellkerne. Das Ergebnis ist eine präzise »Landkarte«: Je nach Standort – ob unter der Haut oder direkt am Dickdarm – übernehmen die Zellen völlig unterschiedliche Aufgaben. Im sogenannten epiploischen Fett nahe dem Darm reagieren sie aktiv auf das Mikrobiom und können Entzündungsreaktionen direkt beeinflussen.

Hoffnung auf Diabetestherapie

Dieses Wissen ist entscheidend für die Medizin der Zukunft. Wenn die Wissenschaft versteht, wie spezialisierte Zellen auf moderne Abnehmmedikamente reagieren, lassen sich Stoffwechselerkrankungen wie Typ-II-Diabetes gezielter behandeln. Die Forschungsgruppe untersucht derzeit sogar Proben von Kindern, um den exakten Zeitpunkt zu identifizieren, zu dem Fettgewebe beginnt, sich dauerhaft krankhaft zu verändern. Das Ziel ist eine anhaltende Verbesserung der Insulinantwort.

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