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Forschungsquartett: Hoffnung im Kampf gegen ALS

Kann eine physikalische Behandlung die unheilbare Nervenkrankheit ALS stoppen? Forschende des HZDR wecken mit gepulsten Magnetfeldern weltweite Hoffnung. Darum geht es in der Folge des Podcasts »Forschungsquartett«.
In den vergangenen Jahren haben Neurowissenschaftler viel über die Signalübertragung bei Schmerz, die beteiligten Schaltkreise und Moleküle, herausgefunden.

Das Forschungsquartett – dieses Mal in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Die unsichtbare Kraft der Magnetfelder

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Nervenkrankheit, bei der sogenannte Motoneuronen degenerieren und so Muskeln abgebaut werden. Doch Hilfe könnte nun aus einer unerwarteten Richtung kommen: der Physik. Ein Forschungsteam unter Leitung des Physikers Dr. Thomas Herrmannsdörfer am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) setzt dafür auf kurze Stromstöße. Diese jagen durch Spulen und erzeugen präzise gepulste Magnetfelder, um geschädigte Nervenzellen zu reaktivieren. Im ersten Moment erscheint das paradox, da der menschliche Körper eigentlich unmagnetisch ist. Aber funktionale Zellbestandteile haben Eigenschaften, an denen die Magnetpulse ansetzen können.

»Unser Organismus bietet interessanterweise genau an den funktional bedeutsamen Stellen — wie z. B. Rezeptoren, Zellschleusen, Kanalproteinen und Mitochondrien — vereinzelt magnetische Eigenschaften. Quasi physikalische Schalthebel, die etwas bewirken können.«Dr. Thomas Herrmannsdörfer, Abteilungsleiter Stark korrelierte Elektronensysteme am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Wöchentliche Therapiesitzung

In Zellversuchen im Labor gelang es dem Team bereits, geschädigte menschliche Motoneuronen mit diesen Magneten erfolgreich zu regenerieren. Nach einer rund zweistündigen Magnetfeldbehandlung reaktivierten sich blockierte Prozesse wie der lebenswichtige Mitochondrientransport oder die zelluläre DNA‑Reparatur.

Dieser regenerative Effekt trat nach bis zu zwei Tagen auf und hielt im Labor rund acht Tage an. Das könnte eine wöchentliche Therapiesitzung für Patientinnen und Patienten ermöglichen.

Hoffnung für Millionen Betroffene

Die Methode soll in den kommenden Jahren zu einem Prototyp für die menschliche Therapie weiterentwickelt werden, um das Leben der Betroffenen zu retten oder deren Lebensqualität maßgeblich zu verbessern. Zudem hoffen die Forschenden auf eine direkte Übertragbarkeit der Anwendung von gepulsten Magnetfeldern auf andere weitverbreitete neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder die durch Chemotherapie induzierte Polyneuropathie. Bis zur tatsächlichen klinischen Anwendung am Menschen muss dieses interdisziplinäre Dresdner Team aus Physik, Medizin, Biologie und Biotechnologie jedoch noch strenge regulatorische Hürden meistern.

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