Mission Energiewende: Wie sehr schaden Kondensstreifen dem Klima?

Großteil der Klimawirkung hat nichts mit CO₂ zu tun
Wer an die Klimawirkung des Fliegens denkt, hat meist den CO₂-Ausstoß von Flugzeugen im Kopf. Doch es gibt auch sogenannte »Nicht-CO₂-Effekte«: Stickoxide, Wasserdampf in großer Höhe, Kondensstreifen-Zirrus. Bei sogenannten persistierenden Kondensstreifen handelt es sich um solche, die nicht nach wenigen Sekunden verschwinden, sondern über Stunden oder sogar Tage am Himmel bleiben. Sie entstehen unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen in großer Höhe und entwickeln sich zu dünnen Wolkenschichten, die Wärme in der Atmosphäre speichern. Nach aktuellen Erkenntnissen verursachen diese langlebigen Kondensstreifen einen erheblichen Teil der Klimawirkung des Flugverkehrs.
»Bei zwei bis drei Prozent aller Flüge entstehen diese bleibenden Kondensstreifen. Aber tatsächlich haben sie einen extrem erwärmenden Effekt. Man schätzt, dass ungefähr zwei bis drei Prozent der gesamten menschengemachten Erderwärmung auf diese Kondensstreifen zurückgehen.«Antonia Sabri, Strategin bei der gemeinnützigen Kommunikationsagentur beyond content
Die gute Nachricht: Das Problem gilt als vergleichsweise leicht lösbar. Oft würde es ausreichen, Flugzeuge einige Hundert Meter höher oder tiefer fliegen zu lassen, um die kritischen Luftschichten zu umgehen.
Ein einfacher Hebel mit großem Potenzial
Studien und Praxistests zeigen offenbar bereits, dass sich ein Großteil dieser Kondensstreifen vermeiden lässt. In Testprojekten konnten durch angepasste Flugrouten rund 70 Prozent der problematischen Flugspuren verhindert werden – ohne nennenswerte Mehrkosten oder einen deutlich höheren Kerosinverbrauch.
»Es ist ein Riesenhebel, der relativ einfach umsetzbar ist. Das hat man im Klimabereich sehr, sehr selten. Und deshalb sollte man ihn auch nutzen. Dafür müssen die Menschen aber überhaupt erst wissen, dass dieses Problem existiert.«Antonia Sabri, beyond content
Moderne Flugplanungssoftware berücksichtigt entsprechende Wetterdaten bereits teilweise, erklärt Antonia Sabri von beyond content. Dennoch fehle es bislang an verbindlichen Vorgaben. Während Wissenschaft und einzelne Unternehmen intensiv daran forschen würden, sei das Wissen in der Luftfahrtbranche noch nicht flächendeckend angekommen. Dabei könnte die Vermeidung langlebiger Kondensstreifen eine der schnellsten Möglichkeiten sein, die Klimawirkung des Flugverkehrs deutlich zu reduzieren.
Wie persistierende Kondensstreifen zustande kommen und was es bringen würde, sie zu verhindern, das erklärt Antonia Sabri von der gemeinnützen Kommunikationsagentur beyond content in dieser Folge von »Mission Energiewende« mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew.
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