Springer Medizin: Medikamente im Alter – Was absetzen, was weitergeben?

Im Gespräch mit Moderator Prof. Markus M. Lerch erklärt die Geriaterin Prof. Dr. M. Cristina Polidori, warum die leitliniengerechte Therapie einzelner Erkrankungen im höheren Lebensalter nicht automatisch die beste Therapie ist. Denn bei älteren, multimorbiden Patienten und Patientinnen kann eine Medikation, die ursprünglich sinnvoll war, neue Beschwerden auslösen – und damit eine Verordnungskaskade in Gang setzen.
Ein Schwerpunkt der Folge ist deshalb das Medikationsmonitoring. Was nehmen Patientinnen oder Patienten wirklich ein, in welcher Dosis, zu welcher Tageszeit und mit welchem Ziel? Entscheidend sei nicht allein die Diagnose, sondern wie es einem Menschen im Alltag geht und welche Funktionen erhalten werden sollen. Prof. Polidori plädiert dafür, vor jedem Deprescribing oder Represcribing zunächst genau hinzuschauen: auf die tatsächliche Einnahme, auf Selbstmedikation, auf Angehörige und Hausärztinnen und Hausärzte als zentrale Partner. So wird aus dem bloßen Streichen von Medikamenten eine individuelle, personenzentrierte Therapieentscheidung.
Prof. Dr. M. Cristina Polidori ist Internistin und Geriaterin und leitet die Klinische Altersforschung der Klinik II für Innere Medizin der Universitätsklinik Köln. Im Centrum für Medizin im Alter am Evangelischen Krankenhaus Weyertal ist sie zudem für das altersmedizinische Training verantwortlich.
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