Direkt zum Inhalt

Spektrum-Podcast: Die verborgene Vielfalt der Arten

Wir entdecken Arten schneller als jemals zuvor. Wie passt das mit der Artenvielfaltskrise und dem Artensterben zusammen?
Ein Schmetterling mit weißen Flügeln, die schwarze und orangefarbene Flecken aufweisen, sitzt auf einer violetten Blume. Die Umgebung ist unscharf, mit grünen Blättern und einem grauen Hintergrund. Der Schmetterling scheint Nektar zu sammeln.
Der Mosel-Apollofalter gilt als Inbegriff einer gefährdeten Art. Wegen des starken Einsatzes von Insektiziden im Weinbau in den 1970er und 1980er Jahren stand er kurz vor der Ausrottung. Noch immer sind die Bestände stark bedroht.

Die Artenvielfalt auf der Erde ist unfassbar: Schätzungsweise 2,5 Millionen Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen kennt die Menschheit bis heute. Wie viele Arten es insgesamt auf unserem Planeten gibt, ist dabei weiterhin völlig unklar. Schätzungen gehen davon aus, dass mehrere zehn bis Hunderte Millionen existieren könnten.

Tatsächlich werden heute sogar mehr Arten entdeckt als je zuvor. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Entdeckungen: Zwischen 2015 und 2020 wurden im Schnitt etwa 16 000 neue Arten pro Jahr wissenschaftlich beschrieben. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch in den 1990er-Jahren.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind moderne Methoden wie DNA-Analysen. Sie ermöglichen die Identifikation sogenannter kryptischer Arten, die äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden sind, genetisch jedoch deutlich abweichen. Dadurch wird sichtbar, wie viel der globalen Artenvielfalt bisher verborgen geblieben ist.

Verborgene Artenvielfalt

Überraschend ist, dass nicht nur kleine oder unscheinbare Organismen entdeckt werden. Auch neue Vogel-, Säugetier- oder Baumarten werden regelmäßig beschrieben. Besonders große Wissenslücken bestehen bei Fischen und Amphibien: Hier könnte die Mehrheit der Arten noch unbekannt sein. Denn Regionen wie die Tiefsee und die tropischen Regenwälder gelten als besonders unerforscht.

Dass wir jedes Jahr viele neue Arten entdecken, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die globale Artenvielfalt massiv bedroht ist. Weltweit verschwinden Lebensräume durch Abholzung, intensive Landwirtschaft, Städtebau und Rohstoffabbau in einem historischen Ausmaß. Hinzu kommen Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überfischung sowie eingeschleppte invasive Arten, die ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen können.

Forschende sprechen inzwischen vom Beginn eines menschengemachten Massenaussterbens. Darauf soll der Internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt, der jährlich am 22. Mai stattfindet, aufmerksam machen. Denn viele Arten verschwinden wahrscheinlich, bevor sie überhaupt wissenschaftlich beschrieben wurden. Das macht die Erforschung der Biodiversität nicht nur zu einer wissenschaftlichen Aufgabe, sondern auch zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Alle Podcasts im Überblick

Noch mehr hören? Die besten deutschsprachigen Wissens-Podcasts gibt es auf Spektrum.de. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht.

Daniel Lingenhöhl ist Chefredakteur von »Spektrum der Wissenschaft«. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer zum Tag der Artenvielfalt erklärt er, wie es um das Zeitalter der Entdeckungen, Artensterben und die Biodiversität steht.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie Feedback, Lob oder Kritik zu diesem Podcast haben, können Sie die Redaktion per E-Mail kontaktieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.