Direkt zum Inhalt

Spektrum-Podcast: Wie Eisalgen Grönlands Gletscher bedrohen

Ein Teppich aus Algen färbt die Gletscher in Grönland dunkel ein und sorgt so dafür, dass sie schneller abschmelzen. Das wurde lange unterschätzt, wirkt sich aber massiv auf Klima und Meere aus.
Eine weite, schneebedeckte Landschaft mit einer tiefen Gletscherspalte, die sich durch das Eis zieht. Die Oberfläche ist uneben und zeigt verschiedene Schattierungen von Weiß und Grau. Der Himmel ist bewölkt und grau, was eine kühle, ruhige Atmosphäre schafft. Die Szene vermittelt die Weite und Kälte der arktischen Umgebung.

Kleine Algen, große Wirkung: Mikroskopisch kleine Eisalgen tragen dazu bei, dass Grönlands Gletscher schneller schmelzen. Die winzigen Einzeller besiedeln im Sommer große Flächen der eisigen Oberfläche und färben sie grau, braun oder sogar schwarz. Dadurch sinkt die Albedo – also die Fähigkeit des Eises, Sonnenlicht zu reflektieren.

Ähnlich wie bei dunkler Kleidung wird durch die Algen mehr Strahlung absorbiert und in Wärme umgewandelt. Forschende des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Potsdam haben gemessen, dass Algenblüten die Schmelzrate lokal um bis zu 25 Prozent erhöhen können.

Das Phänomen ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt, wurde aber lange unterschätzt. Heute rückt es stärker in den Fokus, weil Grönland bereits massiv unter den Folgen des Klimawandels leidet. Seit den 1980er-Jahren hat sich der jährliche Eisverlust der Insel versechsfacht. Das Schmelzen des grönländischen Eisschilds zählt inzwischen zu den wichtigsten Treibern des globalen Meeresspiegelanstiegs.

Algen aus dem Eis

Die dunkle Färbung der Eisalgen beruht auf dem Pigment Purpurogallin. Es schützt die Organismen vor intensiver Sonneneinstrahlung und UV-Licht. Gleichzeitig verstärkt es die Erwärmung des Eises, da ein großer Teil der absorbierten Sonnenenergie als Wärme an die Umgebung abgegeben wird.

Noch ist wenig darüber bekannt, wie die Algen unter den extremen Bedingungen der Arktis überleben. Expeditionen nach Grönland und Spitzbergen sollen klären, welche Umweltfaktoren ihr Wachstum fördern.

Erst vor wenigen Jahren gelang es Forschenden, Eisalgen erfolgreich im Labor zu kultivieren. Dadurch können sie nun gezielt untersuchen, wie Licht, Nährstoffe und Temperatur das Wachstum beeinflussen. Viele Fragen bleiben jedoch offen. Klar ist bereits: Die unscheinbaren Mikroorganismen spielen eine deutlich größere Rolle für das Abschmelzen der Gletscher und den Meeresspiegelanstieg, als lange angenommen wurde.

Verena Tang ist Chemikerin und Redakteurin bei »Spektrum der Wissenschaft«. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer erklärt sie, wie die Situation die Gletscher bedroht und was Forschende nun herausfinden wollen, um die Folgen abzumildern.

Alle Podcasts im Überblick

Noch mehr hören? Die besten deutschsprachigen Wissens-Podcasts gibt es auf Spektrum.de. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie Feedback, Lob oder Kritik zu diesem Podcast haben, können Sie die Redaktion per E-Mail kontaktieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.