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Sieben Ratschläge für Eltern : Wie lernt mein Kind schlafen?

Schlafprobleme und Schlafstörungen sind bei Kindern weit verbreitet. Wie können Eltern ihr Kind beim Einschlafen unterstützen? Und was hilft, wenn ein Kind nachts immer wieder aufwacht? Sieben Fragen und Antworten zum Thema Schlafstörungen und gesunder Kinderschlaf.
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Viele Eltern fechten mit ihrem Nachwuchs im Kleinkind- oder Kindergartenalter regelrechte Kämpfe ums Schlafen aus. Die Kids wollen nicht ins Bett, können nicht einschlafen oder werden nachts immer wieder wach und wecken die Eltern. Ist gutes Schlafen nur eine Frage der Erziehung? Nein, denn kindliche Schlafprobleme können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben. Was können Eltern tun, damit ihr Kind gut ein- und durchschläft?

1. Hat mein Kind wirklich eine Schlafstörung?

Wenn Ihr Kind abends um sieben Uhr noch nicht einschlafen kann, muss nicht gleich eine Schlafstörung dahinterstecken. Vielleicht gehört es einfach von Natur aus – genetisch bedingt – zu den "Nachteulen"? Der Verdacht auf eine Schlafstörung besteht allerdings, wenn das Kind regelmäßig mehr als dreimal pro Nacht aufwacht und dabei im Durchschnitt länger als 20 Minuten wach ist, wenn es vor dem Schlafen gehen ängstlich oder morgens immer sehr müde ist. Bestehen solche Probleme länger als einen Monat, sollte ein Kinderarzt zu Rate gezogen werden.

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Kein Auge zu | Viele Kinder haben Probleme einzuschlafen. Eine Schlafstörung muss aber nicht direkt dahinterstecken.

2. Welche Ursachen haben kindliche Schlafprobleme?

Ein Kinderarzt kann beurteilen, ob die Probleme organische Gründe haben. Laborbestimmungen (etwa der Schilddrüsenwerte), eine neurologische und eine internistische Untersuchung gehören inzwischen zum Standard. Immerhin zwei Prozent der kindlichen Schlafstörungen sind auf nächtliche Atmungsprobleme zurückzuführen. Schuld daran sind oft vergrößerte Rachenmandeln oder Polypen. Die Folge sind Atemaussetzer, unruhiger Schlaf und leichtes Erwachen in der Nacht. Zu den wichtigsten Symptomen zählt das Schnarchen. Erhärtet sich der Verdacht auf eine körperlich bedingte Schlafstörung, wird meistens zu einer Schlaflaboruntersuchung geraten. In den meisten Fällen haben die Schlafprobleme allerdings psychische Ursachen, etwa nächtliche Ängste.

3. Wann hilft eine psychologische Beratung?

Wenn keine körperlichen Ursachen für die Schlafstörung vorliegen – und vor allem, wenn sich das Kind oder die Familie durch die Situation belastet fühlen. Bedenklich wird es, wenn die Schlafprobleme die Eltern-Kind-Beziehung beeinträchtigen oder wenn die Eltern bereits unter einem chronischen Schlafdefizit leiden. Auch wenn ein Geschwisterkind nicht mehr genug Zuwendung erhält, weil sich alles um das Kind mit Schlafproblem dreht, sollte eine Schlafberatung in Anspruch genommen werden. Ein Therapeut kann helfen, die Ursachen der Schlafstörung zu erkennen und individuelle Lösungen zu finden.

4. Was tue ich, wenn mein Kind nachts schreit, sich aber nicht richtig aufwecken lässt?

Dabei handelt es sich in der Regel um den so genannten "Nachtschreck" oder Pavor nocturnus. Er tritt meistens zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr und in der ersten Nachthälfte auf. Das Kind schreit plötzlich und schlägt oft um sich. Trotz geöffneter Augen erkennt es die Eltern nicht und lässt sich – im Gegensatz zu Kindern nach einem Albtraum – auch nicht beruhigen. Therapeuten empfehlen, das Kind nicht zu wecken, da es normalerweise nach ein bis zehn Minuten von allein weiterschläft. Der gelegentliche "Nachtschreck" gilt als harmlos. Solange er nicht zu häufig vorkommt, bedarf er keiner Behandlung.

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Gutenachtgeschichte vor dem Einschlafen | Mama liest eine Gutenachtgeschichte vor.

5. Wie können Eltern ihrem Kind das Einschlafen erleichtern?

Als "Schlafhygiene" bezeichnen Psychologen Verhaltensweisen, die den Schlaf fördern. Wichtig ist bei Kindern mit Schlafproblemen, dass die Zeiten für das Zubettgehen, Aufstehen und den Mittagsschlaf immer regelmäßig eingehalten werden. Der Mittagsschlaf sollte nicht zu nahe am Nachtschlaf liegen und bei Schulkindern keinesfalls nach 15 Uhr stattfinden. Kinder, die sich tagsüber körperlich viel bewegen und Zeit mit kreativem Spielen verbringen, sind abends müder und schlafen schneller ein. Allerdings sollten sie in der Stunde vor dem Schlafen alle stark aktivierenden Beschäftigungen vermeiden – dazu zählen auch Fernsehen oder aufregende Hörbücher!

Es tut dem Kind gut, wenn sich ihm ein Elternteil abends im Rahmen eines etwa 30-minütigen Schlafrituals noch einmal liebevoll widmet. Um sich gegenseitig zu entlasten, sollten die Eltern ihr Kind abwechselnd ins Bett bringen – auch wenn zunächst vehement die Mama verlangt werden sollte! In keinem Fall darf Schlafengehen als Strafe eingesetzt werden: Vielmehr gilt es zu versuchen, das Schlafengehen für das Kind als angenehmen, schönen Programmpunkt zu gestalten.

6. Welche anderen Rahmenbedingungen fördern den Schlaf?

Schaffen Sie dem Kind eine gemütliche Schlafumgebung. Geben Sie auch älteren Kindern im Bett noch einen schützenden Rahmen, etwa durch Kissenrollen; ein Kuscheltier kann als Beschützer wirken. Das Bett sollte nicht zugig stehen und im Liegen idealerweise den Blick zur Tür ermöglichen. Zigarettenrauch und Lärm in der Wohnung verhindern den erholsamen Schlaf. Auch sollte es im Schlafzimmer nicht zu kalt und nicht zu warm sein: 16 bis 18 Grad Celsius sind gute Schlaftemperaturen. Das Kind sollte nicht hungrig ins Bett gehen, eine Stunde vor dem Schlafen jedoch keine größere Mahlzeit mehr zu sich nehmen. Zumindest ab dem Nachmittag sind tein- oder koffeinhaltigen Getränke tabu. Und: Wacht das Kind nachts auf, bitte kein helles Licht anmachen!

7. Wie sollten Eltern mit einem Kind umgehen, das schlecht schläft?

Viele Eltern sind unsicher, ob ihr Kind aus Angst oder aus purem Trotz nicht ins Bett will. Doch kindliche Ängste sind sehr häufig – sie gehören zur normalen kindlichen Entwicklung. Um dem Kind bei der Bewältigung seiner Ängste zu helfen, darf man diese nicht leichthin abtun, sondern sollte mit ihm in Ruhe darüber reden. Hat es etwa Angst vor Ungeheuern, schadet es auch nicht, abends noch einmal gemeinsam unter das Bett oder in den Schrank zu schauen. Legen sich die Ängste trotz allem monatelang nicht und belasten das Kind, suchen Sie professionelle Hilfe. Wachen Kinder nachts auf und rufen nach den Eltern, sollten sie das nicht ignorieren! Auch die berühmte Ferber-Methode, bei der Eltern ihr Baby oder Kleinkind für eine kürzere Zeit ungerührt toben, weinen und schreien lassen, ist unter Schlaftherapeuten sehr umstritten. In der Regel wird das Protestverhalten zwar binnen ein bis zwei Wochen "gelöscht". Doch Psychologen befürchten, dass das Vertrauen und die Bindung zu den Eltern durch solche Maßnahmen spürbar belastet werden.

Haben Sie einen Weg zum Schlaf für Ihr Kind gefunden, mit dem alle in der Familie zufrieden sind? Dann bleiben Sie dabei und lassen Sie sich von niemandem verunsichern. In vielen Ländern ist es zum Beispiel völlig normal, dass auch ältere Kinder nicht allein, sondern mit anderen zusammen oder bei ihren Eltern schlafen. Schlafprobleme, die auf nächtlichen Ängsten beruhen, kommen in diesen Fällen seltener vor.

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  • Quellen

Fricke, L. et al.: Kölner Behandlungsprogramm für Kinder mit Schlafstörungen. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 55, S. 141 – 154, 2006.

Fricke-Oerkermann, L. et al.: Schlafstörungen. Hogrefe, Göttingen 2007.

Kunze, P., Keudel, H.: Schlafen lernen. Sanfte Wege für Ihr Kind. Gräfe und Unzer, München 2004.

Lehmkuhl, G. et al.: Schlafstörungen im Einschulalter – Ursachen und Auswirkungen. In: Deutsches Ärzteblatt 105 (47), S. 809 – 814, 2008.

Mindell, J. et al.: A Nightly Bedtime Routine: Impact on Sleep in Young Children and Maternal Mood. In: Sleep 32 (5), S. 599 – 606, 2009.

Renz-Polster, H.: Kinder verstehen. Born to be wild. Kösel, München 2009.

Schlarb, A.: KiSS – Begleit- und Arbeitsbuch für Eltern und Kinder: Das Training für Kinder von 5 bis 10 Jahren mit Schlafstörungen. Kohlhammer, Stuttgart 2013.

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