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Stress ist nicht gleich Stress

Wie sieht er aus, Ihr typischer Arbeitstag? Meetings, telefonieren, EMails beantworten, sich mit Kollegen abstimmen … und am besten alles gleichzeitig? Am Abend dann noch rasch Mails checken, den nächsten Tag vorbereiten, dem Chef die letzten Infos zusenden. "Multitasking" und "Erreichbarkeit" heißen die Zauberwörter unserer Arbeitswelt. Doch welche Folgen hat das für unsere Gesundheit? Der Freiburger Mediziner und Hirnforscher Joachim Bauer geht dieser Frage nach.

Er nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte der Arbeit – von ihren Ursprüngen zu Zeiten der Jäger und Sammler bis zum heutigen Büroalltag. Aus neurobiologischer Sicht bildet der Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung einen wichtigen Antrieb zur Arbeit. Diese erleben wir meist dann als Bereicherung, wenn es darum geht, eine konkrete, klar definierte und beherrschbare Aufgabe zu erfüllen. Auch das bedeutet phasenweise Stress, doch es ist Stress der positiven Art.

Da wir in der heutigen Arbeitswelt allerdings zunehmend abstrakten, unüberschaubaren Tätigkeiten nachgehen und mehrere Dinge gleichzeitig im Auge behalten oder vorantreiben müssen, übersteige die Arbeitsbelastung immer öfter das verträgliche Maß. Dabei, erklärt Bauer, werde das "Unruhe-Stresssystem" aktiv. Er vergleicht den modernen Erwerbstätigen mit einem Tier in freier Wildbahn, das ständig auf der Hut sein muss, um zu überleben.

Somit stellt Arbeit keineswegs immer eine Quelle der Sinnerfüllung und Zufriedenheit dar, sondern kann auch krank machen. Ständiger Zeit- und Leistungsdruck, drohender Jobverlust, Niedriglöhne, lange Arbeitswege und Multitasking leisten ihren Beitrag zu der steigenden Zahl arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen. Messbar wird dieser ungesunde Stress in wissenschaftlichen Untersuchungen, die Bauer leicht verständlich erläutert.

Ihnen zufolge ist es vor allem das Ungleichgewicht zwischen hohen Anforderungen und geringem Handlungsspielraum, zwischen großer Anstrengung und mangelnder Anerkennung, welches viele Arbeitnehmer "ausbrennen" lässt. Bauer erläutert den Unterschied zwischen Depression und Burnout und gibt praktische Tipps, wie man ihnen wirksam vorbeugt. Er will für jene Gefahren sensibilisieren, die das permanente Überschreiten der eigenen Grenzen birgt.

Der Autor rät dem Leser aber auch, sich ehrlich zu fragen, ob es wirklich die Arbeit selbst ist, die krank macht – oder eher die Tatsache, dass wir verlernt haben, was Muße ist und wie wir sie unbeschwert genießen können.

Das Buch gewährt kluge Einblicke in unsere Arbeitswelt, samt historischem Abriss und biologischen Hintergründen. Es beleuchtet wichtige Veränderungsprozesse und gibt Anregungen, wie wir sie mitgestalten können, zum Wohl unserer Gesundheit und unserer Arbeitskraft.

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  • Quellen
Gehirn und Geist 7/2013

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