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Mein Freund, das Wort. Eine bemerkenswerte Autobiografie eines Autisten.

Dieses Buch ist eine Lebensgeschichte. Axel Brauns – Jahrgang 1963 – wuchs mit den typischen, heute jedem Arzt vertrauten Symptomen des kindlichen Autismus auf – wurde aber offenbar nicht diagnostiziert. Andere Menschen teilte er je nach seiner subjektiven Wahrnehmung in die beiden Kategorien "Buntschatten" und "Fledermäuse" ein. Sie zu verstehen, bereitete ihm Probleme, und mehr noch, sich ihnen verständlich zu machen. Ohne weiteres hätte er in einer Sonderschule und später in lebenslanger Isolation landen können.

Was Brauns rettete, war seine Entdeckung, dass auch er Freunde haben konnte: Wörter in Lexika und Atlanten. Er konnte vielleicht nicht unterscheiden, ob ein Gesprächspartner traurig oder gelangweilt war, aber dafür sich ohne Schwierigkeiten die Hauptstädte aller Länder der Erde merken. Dank seiner – bei Autisten nicht selten zu findenden – Besessenheit für Faktenwissen konnte er sogar das Gymnasium besuchen und vorzeitig ein sehr gutes Abitur ablegen. Nebenbei ging er seiner Mutter beim Erstellen von Rätseln für Zeitschriften zur Hand, womit sie ihren Lebensunterhalt verdiente.

In "Buntschatten und Fledermäuse" erzählt uns Brauns seine Lebensgeschichte bis kurz nach dem Schulabschluss. Dabei bedient er sich einer wundersamen, fast poetisch anmutenden Sprache. Authentische Selbstzeugnisse von Autisten sind eine Seltenheit. Dieses entstand offenbar ohne nennenswerte Eingriffe von Dritten – und ermöglicht uns so einen gleichermaßen intimen wie kostbaren Einblick in die Entwicklung und Denkweise eines von dieser auch heute noch rätselhaften Krankheit betroffenen Menschen.

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  • Quellen
Gehirn und Geist 01/2003

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