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Die Wissenschaft des gesunden Lebens

Anschauliche Antworten auf die kleinen und großen Fragen des Alltags.

Allein des Titels wegen hätte ich nicht zu dem Buch gegriffen. »200 gute Gründe, deine Gewohnheiten zu überdenken« klingt einfach zu sehr nach Selbstoptimierung. Und meine Gewohnheiten sind schon in Ordnung so. Dabei verbirgt sich hinter dem Buchdeckel eigentlich gar kein Ratgeber für ein »gesünderes und glücklicheres Leben«, wie der Untertitel verspricht. Stattdessen beantwortet der Wissenschaftsautor und Arzt Stuart Farrimond mehr als 200 Fragen, von denen man sich die ein oder andere sicherlich schon mal gestellt hat: Warum bin ich müde, obwohl ich lange geschlafen habe? Was passiert, wenn mir ein Wort auf der Zunge liegt? Warum fühle ich mich jünger, als ich bin? Ist Sitzen das neue Rauchen? Haben meine Träume eine Bedeutung? Wie wird mein Gedächtnis besser? Und warum zum Teufel fahren alle so viel schlechter Auto als ich?

Viele Grafiken helfen beim Verstehen

Jeder Frage widmet sich der Autor auf ein bis zwei Seiten. Seine Antworten sind kurz und knapp und interessant zugleich – und dabei grafisch so liebevoll aufbereitet, dass es wirklich Spaß macht, das Buch zu lesen. Dass sich Stuart Farrimond bei der Beantwortung tatkräftige Hilfe geholt hat, erkennt man an den Danksagungen am Ende des Buchs. Die Liste der genutzten Publikationen und zu Rate gezogenen Professorinnen und Professoren ist lang.

Bei über 200 Fragen sind natürlich auch welche dabei, die eher gewollt erscheinen oder auf die es bisher keine eindeutige Antwort gibt. Auch die Einteilung in die Kapitel »Morgens«, »Mittags«, »Abends« und »Nachts« wirkt künstlich. Sinnvoller wäre es gewesen, das Buch nach Themen wie Schlaf, Bewegung, Gedächtnis und Ernährung zu ordnen.

Neugier statt Selbstoptimierung

Treffender ist übrigens der Titel des englischen Originals: »The Science of Living«, die Wissenschaft vom Leben. Statt Selbstoptimierung steht vielmehr die Neugier auf die großen und kleinen Phänomene des Alltags im Mittelpunkt des Buchs. Man lernt eine Menge: etwa dass Juckfood so unwiderstehlich ist, weil es die »unheilige Dreifaltigkeit« der Nährstoffe enthält, die der Körper am meisten begehrt (Zucker, Fett, Salz), oder dass Jugendliche das Risiko lieben, weil der vordere Teil ihres Gehirns, der für die Handlungskontrolle zuständig ist, noch nicht vollständig entwickelt ist. Für seine Erklärungen zieht Farrimond gerne Vergleiche heran, zum Beispiel dass sich einmal gelernte Bewegungsabläufe ins Gehirn einprägen »wie Ihre Körperform in eine Matratze aus Memory-Schaum«. Immer wieder gibt er auch konkrete Tipps, was man aus den Erkenntnissen für sich selbst ableiten kann, etwa wie man seinen Schreibtisch gestalten sollte, um besonders produktiv zu sein, wie man ein Mittagstief vermeiden oder Ängsten und Sorgen begegnen kann.

»Allzu oft glauben wir, Wissenschaft bedeute, unsere Welt in trockene Zahlen und Gleichungen zu fassen«, schreibt Farrimond. Dabei verleihe sie unserem Alltag Reichtum, Bedeutung und Tiefe. Mit seinem Buch will er Wissenschaft verständlich machen und zeigen, »dass man keinen akademischen Grad braucht, um die kleinen Geheimnisse des Lebens zu verstehen«. Das ist ihm gelungen.

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