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Von Vögeln und Menschen

Der Vogelkundler Einhard Bezzel plaudert aus seinem Fach und betont die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen.

Vögel und Menschen stehen sich eigentlich nahe, meint der Ornithologe Einhard Bezzel – schon deshalb, weil sie gleiche Lebensräume teilten. Allerdings seien unsere Wechselbeziehungen zu ihnen sehr kompliziert, weshalb wir zahlreiche Irrtümer über unsere gefiederten Mitbewohner hegten. Biologische Vielfalt sei so komplex, dass sie sich dem Fassungsvermögen unseres Denkens weitgehend entziehe.

Bezzel möchte aus dem »immensen und im Einzelnen nicht mehr überschaubaren Wissen über Vögel« einige Aspekte herauspicken. Der Autor bezeichnet sein Buch trotz ausführlichem Quellenverzeichnis nicht als wissenschaftsnahes Werk zur Ornithologie, sondern als »recherchierte Geschichten von Vögeln, wie sie Menschen erlebten und interpretierten, darunter auch ein paar autobiografische Anekdoten und persönliche Ansichten, vielleicht auch Irrtümer«.

Der Autor relativiert unter anderem die Skepsis gegenüber Bürger-Mitmachaktionen wie der ehrenamtlichen Vogelbeobachtung. Diese lieferten zwar mitunter durchaus fehlerbehaftete Ergebnisse, generierten aber auch – entsprechend vorsichtig und kritisch betrachtet – wertvolle Daten, die auf andere Weise nicht erhoben werden könnten. Mitmachaktionen hätten außerdem den Vorteil, dass die Teilnehmenden sich mit der unmittelbar umgebenden Natur vertraut machen könnten. Die Vogelarten anhand des Anblicks oder Gesangs korrekt zu bestimmen, und das mitunter in Sekundenschnelle, sei allerdings schwierig – sogar für Vogelkenner und Experten.

Einmal jährlich mähen

Bezzel erklärt auch, das Bestreben, Gärten und Anlagen sollten immer »ordentlich« und »gepflegt«, gemäht und vom Unkraut befreit sein, wirke sich negativ auf die heimische Vogelwelt aus. In Langzeitbeobachtungen habe es sich als besser für die Tiere erwiesen, wenn nur einmal im Jahr im Herbst gemäht wird und alle krautigen Pflanzen bis zur Samenreife wachsen können. Einige Vögel nutzten Samen tragende Pflanzen über den ganzen Sommer hinweg bis in den Winter hinein als Nahrung und wanderten daher aus »gepflegten« in »weniger gepflegte« Gebiete ab.

An konkreten Beispielen beschreibt der Ornithologe viele komplexe Zusammenhänge in der Natur. Er widmet sich dem Füttern von Vögeln, befasst sich mit deren Leben in der Stadt sowie mit den Auswirkungen von Lärm, Licht und Fensterscheiben. Weitere Themen sind die Vogeljagd, Hauskatzen oder auch der »schlechte Ruf« von Krähen. Dabei pflegt der Autor einen hier und da recht fachnahen, nicht immer leicht verständlichen Schreibstil. Die Inhalte, mit denen er sich befasst, sind oft diffizil, aber er liefert viele interessante Informationen und anschauliche Beispiele – etwa zum Schicksal von Wanderfalken in Städten oder zu den »Kindergärten« der Brandgänse und Eiderenten.

Wie schwierig es ist, den Artbegriff zu definieren, zeigt Bezzel am Beispiel von Mischkrähen, die aus Paarungen von Raben- und Nebelkrähen hervorgehen. Er erläutert die speziellen Herausforderungen, Natur- und Artenschutz zu realisieren, und lenkt den Blick auf globale Zusammenhänge. So legt er dar, dass Deutschland, wo die Hälfte des weltweiten Bestands an Rotmilanen siedelt, eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Art trägt.

Eindrücklich geht das Buch auf die Bedrohung der Vogelwelt durch diverse Faktoren ein, darunter den Rückgang von Lebensräumen und Nahrungsquellen, und verdeutlicht, wie wichtig Vogelschutz ist. Dabei ruft der Autor – der sowohl aus der Perspektive des Vogelschützers als auch des Biologen spricht – Wissenschaftler und engagierte Amateure zur Mitarbeit auf. Er mahnt, Austausch und Zusammenarbeit seien nötig, »soll etwas von der Vielfalt der Vögel auf dem Planeten in kommende Generationen hinübergerettet werden«.

08/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 08/2019

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