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Letzte Fallgeschichten

Bisher unveröffentlichte Notizen liefern neue Einblicke in das Leben und Wirken von Oliver Sacks.

Als der Bestsellerautor und Neurologe Oliver Sacks im August 2015 im Alter von 82 Jahren starb, hinterließ er zahlreiche unveröffentlichte Notizen. Daraus haben seine engsten Mitarbeiter dieses Werk zusammengestellt.

Sacks war ein Meister der medizinischen Fallgeschichten. Seine Fähigkeit, Menschen einfühlsam zu porträtieren, deren Leben von schweren Erkrankungen geprägt war, machte ihn weltweit bekannt.

Wie auch in früheren Werken erfahren wir in diesem Buch neben unterschiedlichsten Fällen aus Sacks Berufsleben viel über ihn selbst: Anekdoten aus seiner Kindheit, Spleens wie die Begeisterung für Heringrezepte, für Farnexkursionen in den Straßenschluchten New Yorks und für Tintenfische. Wobei Letztere fatale Folgen für den olfaktorischen Sinn der Mitreisenden hatte. Daneben enthält das Buch Reflexionen des Autors über literarische Werke oder über die großen Fragen der Menschheit, etwa, wie wahrscheinlich außerirdisches Leben ist.

Erfolg haben und scheitern

Mehrere Erzählungen sind wahre Erfolgsstorys, etwa die wunderbare Spontanheilung einer über 90-jährigen Patientin mit einer vermeintlichen Demenz, weil Sacks genau hinhörte, statt sich mit der Diagnose anderer zufriedenzugeben. Doch Sacks scheute sich nicht, auch Geschichten vom Scheitern zu Papier zu bringen, wenn er Patienten eben nicht helfen konnte. Leider haben die Herausgeber auf ein Vor- oder Nachwort verzichtet. Es hätte dem Buch gutgetan, wenn ein Weggefährte Sacks oder einer jener engsten Mitarbeiter, die das Werk zusammengestellt haben, das Sammelsurium an Schilderungen und Themen eingeordnet hätte.

Darüber hinaus schwankt die Qualität der Geschichten. Während manche fesseln, einen zum Staunen, Schmunzeln, Nachdenken bringen oder traurig stimmen, sind andere langatmig, wirken wie eine Rohfassung oder lassen den Leser eher fragend zurück. Dennoch ist es schön, ein (vermutlich) letztes Mal psychische und neurologische Phänomene aus dem Blickwinkel dieses bedeutenden Neurologen betrachten zu können. Mit seinen Werken hat er einen wichtigen Beitrag geleistet, um Menschen mit psychischen Symptomen zu entstigmatisieren.

21/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21/2020

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