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Buchkritik zu »Analytische Biochemie«

Anfangs gab es "den Tüpfel-Feigl" mit der Idee, vor Ort okular abschätzende spezifische Analytik zu betreiben. Man verdankt ihm und Theodor Bücher "den Bergmeyer", der aus einem, zu einem vielbändigen, Arbeitsbuch der photometrischen Enzym- und enzymatischen Analytik wurde. Dann kam, mit der Entwicklung immer apparativerer Sonden "der Lottspeich-Zorbas" als Kompendium der Methoden der physikalisch-chemischen Bioanalytik und vieles dazwischen an Arbeits- und Vorschriftenbüchern aus mehr oder weniger eigener Praxis, die immer begehrt und rückversichernd sind. An allen Biochemie-Lehrgängen sind Praktika und Kurse eingerichtet worden, die sich mit den lokalen, zuweilen auch weiteren Aspekten des Messens von und mit Biomolekülen befassen. Besonders Fortgeschrittenen sollen dabei die komplexen Verfahren nahe gebracht werden, mit denen sie als "Graduierende" und "Graduierte" ihr molekularbiologisches Leben fristen werden. Denn die Grundlage aller Molekularbiologie, mit welchem Namen sie sich auch verbrämt, ist eine saubere, quantitative und möglichst spezifische Analytische Chemie. Und diese wiederum hat ihre Grundlage in den Molekül/Liganden-Wechselwirkungen, seien es kleine oder große Partner, physikalische oder chemische Binder, schwache oder starke Passung. Die ganze Biologie beruht eigentlich auf biomolekularer Erkennung von chemischen und physikalischen Reizen durch Rezeptoren, von Formen und Oberflächen, dadurch ausgelösten Signalen, die wiederum Kaskaden von vorwärts- oder rückgekoppelten Ereignissen auslösen bis zum Ziel und Erfolg. Wie immer bei logischen Gleichgewichtsvorgängen kann man darauf mit Wissen und Kunst eine analysierende Aussage aufbauen.

Die Messkunst war eine der gepflegten Künste in der DDR. Dies Buch ist offenbar aus diesem Boden erwachsen, wenn sie sich auch inzwischen dem Sprachgebrauch angeglichen hat, sodass der Text von Anglizismen strotzt. Die Aufmachung ist geblieben, wenn auch nicht der Preis, und unerwartete Sprachlichkeiten, wie "gerührte Messzellen" oder "ultimativer Schritt" stammen sicher nicht aus der Weimarer Klassik. Doch sehen wir auf das Innere, auf das es ankommt.

Die Messung von Biomolekülen ist zentral in der medizinischen Diagnostik wie in der industriellen Prozesskontrolle. Die Ansprüche sind mit den Möglichkeiten und der Zeitökonomie gewachsen. Man hat frühzeitig die Prinzipien zu erlernen, um sich später selbst in Problemen zurechtzufinden. Das will dieses, wohl aus einem Praktikum hervorgegangene Buch bewirken. Es ist besteht daher aus einem Grundlagen- und einem Praktischen Teil mit Experimenten zur Analytischen Biochemie, wobei aus einzusehenden Gründen der Spezialisierung auf Biosensoren weiter Raum gegeben wird, um Bestandteile und Enzyme in biologischen und Lebensmittelproben mittels immobilisierter Reagenzien zu bestimmen; wesentliche Verfahren wie Trennung, Polarographie, Enzymkinetik zu erlernen; Nukleinsäue-Sequenzierung und -Charakterisierung durch PCR zu üben; Nutzung von Antikörpern in Enzymimmunassays verschiedener Ausfertigungen zu praktizieren. Die Beschreibung ist systematisch von der Aufgabenstellung zur Grundlage des Verfahrens, die im ersten Teil ausführlich gegeben wurde, zum Apparativen und der Zeiteinteilung, bis zur Aus- und Bewertung. Es sind nicht eigentliche einengende Rezepturen, sie lassen mit Maßen eine gewisse Bandbreite. Weiterführende Literatur beschließt die Kapitel (Leider fehlen die Bezugsquellen für sehr spezielle Reagenzien.).

Der erste Teil gibt zunächst eine Übersicht über die Anwendungsgebiete der "Analytischen Biochemie", dann auf entsprechendem Raum und mit halbschematischer (vollschematisch wäre klarer) Bebilderung die Grundlagen der Methoden, der Anwendung von Antikörpern als Indikatoren von und für Liganden, der Prinzipien angewandter Enzymologie, z.B. im PCR-Verfahren, der Blotanalytik und der Festphasenisolierung verschiedener Logistik, eher in Stichworten, doch verständlich. Dem Verständnis hilft auch ein Akronymenlexikon von zwei (wie alles) eng bedruckten Seiten.

Man kann sich vorstellen, dass dieses Buch Anklang findet, und es ist ihm zu wünschen.
  • Quellen
BIOspektrum 6/2004

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