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Schnappschüsse im All

Mit dicken Handschuhen, hinderlichen Helmen und der Kamera vor dem Bauch mussten die Apollo-Astronauten fotografieren. Es hat sich gelohnt.

Viermal hatte die Crew von Apollo 8 im Jahr 1968 schon den Mond umkreist. Da gelang William A. Anders ein weltberühmtes Foto: Hinter dem grauen Horizont des Monds erscheint strahlend blau die Erde. Das »Life«-Magazin kürte die Aufnahme später zu einer von 100 Bildern, welche die Welt veränderten.

In bester Qualität und großem Format lässt sich das Bild in diesem Band bestaunen. Es ist eines von 150 Farb- und 20 Schwarzweiß-Fotografien, die Floris Heyne, Joel Meter, Simon Phillipson und Delano Steenmeijer anlässlich des nahenden 50-jährigen Jubiläums der ersten bemannten Mondlandung zusammengestellt haben. Die vier Autoren wühlten sich durch die gigantischen Fotoarchive der NASA, um nach den besten Aufnahmen der Apollo- Missionen zu suchen. Ihre Funde – darunter mehrere bis heute unveröffentlichte Bilder – haben sie in dem Buch zusammengestellt und mit englischen Texten versehen. Das Werk wird vor allem Liebhaber der Fotografie und Geschichtsinteressierte begeistern.

Treibstoff begrenzen, um Landung zu verhindern

Optisch ist das Buch ein Genuss. Gestochen scharf und hochaufgelöst sieht man Astronauten auf der aschfarbenen Oberfläche des Erdtrabanten, die dort herumlaufen, Experimente aufbauen oder mit dem Lunar Roving Vehicle unterwegs sind. Man bewundert die Bilder der Landefähren mit ihren goldenen Aluminium-Umhüllungen vor tiefschwarzem Himmel. Ein Gefühl für das beengte Leben an Bord der Raumfähren vermitteln Aufnahmen, die aus deren Innern heraus geschossen wurden.

Jeder Mission haben die Autoren ein eigenes Kapitel gewidmet. So lässt sich gut die anfängliche Entwicklung bis hin zu Apollo 11 nachvollziehen, der ersten bemannten Mondlandung. Während Apollo 7 noch nicht einmal den Erdorbit verlassen hatte, umkreiste Apollo 8 bereits den Erdtrabanten. Bei Apollo 10 mussten die Verantwortlichen den Astronauten bereits den Treibstoff limitieren, um sicherzugehen, dass diese nicht dort landen, sondern sich dem Trabanten auf lediglich 15 Kilometer nähern würden, um die Technik zu testen. Offensichtlich war man sich bei der NASA alles andere als sicher, ob die Crew es bei ausreichenden Treibstoffreserven nicht wagen würde, vor dem Rückflug auf dessen Oberfläche aufzusetzen. Erst die Männer von Apollo 11 durften 1969 den Mond betreten. Bis in den Dezember 1972 herrschte dann ein regelrechter Pendelverkehr dorthin.

Besonders die vielen Beiträge zur Fotografie machen die Lektüre erhellend. Bereits die Einführung zeigt auf, dass den Astronauten damals wenig Zeit blieb, um Fotos von der Erde anzufertigen. In 90 Minuten hatten sie den Globus umrundet, die Hälfte davon auf dessen Nachtseite, und in der Regel waren mindestens 45 Prozent der Erdoberfläche von Wolken verhangen. Zudem standen den Raumfahrern nur wenige Fenster zur Verfügung, die überdies nicht immer zur Erde hin ausgerichtet waren.

Lange überlegten die Verantwortlichen damals, welche Kamera die harten Belastungen eines Mondflugs durchhalten würde. Man entschied sich für die Hasselblad 500C. Der Hersteller wurde infolge dieser Kooperation zur Weltmarke. Allerdings mussten die Ingenieure den Apparat modifizieren, denn die Astronauten trugen dicke Handschuhe und große Helme, was das Fotografieren enorm erschwerte. In einem zeitraubenden Extratraining lernten die Astronauten, mit der Kamera vor dem Bauch zu knipsen. Sie wurden sogar dazu angehalten, auch in ihrer (irdischen) Freizeit den Apparat exakt so zu verwenden, wie es später auch im All erforderlich sein würde. Der Aufwand hat sich gelohnt, wie das Buch eindrucksvoll belegt. Die Bilder, die die Männer von den Missionen mit nach Hause brachten, sind ein einzigartiger Schatz.

41/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 41/2018

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