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Rückblick auf ein Jahrhundertereignis

In diesem schön gestalteten Buch rekapituliert ein Grafikdesigner das Apollo-Raumfahrtprogramm der USA.

Die Kombination von Thema und Autor ist ungewöhnlich. Zack Scott, der sich in diesem Buch mit den Apollo-Raumfahrtmissionen beschäftigt, ist Grafikdesigner und war zuvor Flugzeugtechniker. Der Band ist sein Erstlingswerk. Schon beim lockeren Durchblättern zeigt sich, dass dies ein ungewöhnliches Buch ist – erschienen anlässlich des bevorstehenden 50. Jahrestags der ersten Mondlandung, die damals die halbe Welt mit Hochspannung am Fernseher verfolgte. Grafiken, Skizzen und monotone Farben, gedruckt auf hochwertiges Papier, bestimmen das Layout. Die einfachen Zeichnungen, die gerade wegen ihrer Reduktion auf das Wesentliche bestechen, werden von kurzen Texten ergänzt.

Scott stellt die Technik, die den ersten Menschen auf den Mond brachte, umfassend vor. Vieles könnten die damaligen Ingenieure ähnlich gezeichnet haben. Zum Beispiel den Raumanzug, den Scott detailliert erläutert, einschließlich einer Skizze des Kontrollpanels, über das die Astronauten die lebenserhaltenen Funktionen regulierten. Beeindruckend ist auch die Darstellung des Mondautos »Lunar Roving Vehicle«. Scott präsentiert es aus allen Perspektiven und bildet dazu noch die Instrumententafeln und die Steuerung ab, die im Wesentlichen in einem T-förmigen Joystick bestand. Eine Auflistung technischer Details des Gefährts mit Gewicht, Wendekreis oder Batteriespannung ergänzt das Kapitel.

Koloss im Schneckentempo

An anderer Stelle lernen die Leser den gigantischen »Crawler Transporter« kennen, auf dem die Saturn-V-Rakete mit gerade mal 1,6 Kilometer pro Stunde zum Startplatz gefahren wurde. Ein einziger seiner vier Kettenantriebe war groß wie ein amerikanischer Schulbus. Solche Dimensionen stellt Scott mit Hilfe seiner Zeichnungen sehr gekonnt dar. Der »Crawler Transporter« ist übrigens heute noch im Einsatz.

Neben der faszinierenden Technik beschreibt der Autor jede einzelne Apollo-Mission in ihrem Ablauf und porträtiert alle zwölf Astronauten, die den Mond betreten haben. Dabei schildert er deren Persönlichkeiten, die sich bezeichnenderweise alle ähneln. Durchweg waren sie begeisterte Flieger, extrem ehrgeizig, risikofreudig und immer bereit, an Grenzen zu gehen.

Technikbegeisterte kommen in Scotts Buch auf ihre Kosten. Auch Grafikliebhaber dürften von der Darstellung angetan sein. Geschichtsinteressierte jedoch eher weniger, denn so stimmig und anspruchsvoll das Werk in seiner Gestaltung ist, so sehr fehlen historische Fotos, anhand derer man sich tatsächlich hineinversetzen könnte in diese spannende Zeit, in der technisch nichts unmöglich schien. Alles wirkt etwas steril und glatt gebügelt. Und auch der Untertitel »Der Wettlauf zum Mond« trifft den Inhalt nicht ganz, denn auf das parallel laufende russische Weltraumprogramm, das die Apollo-Missionen erst zu einem wahren Wettrennen machte, geht der Autor leider nur im Vorwort ein.

Wer das Buch an einem langen Abend liest, es zuklappt und das Licht ausmacht, auf den wartet übrigens eine Überraschung. Der Mond auf dem Titel fluoresziert – ein netter Einfall des Verlags.

37/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2018

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