»Astronomie«: Astrobasteln
Astronomie ist nicht nur eine faszinierende Wissenschaft, sondern für viele Menschen – rund 50 000 in Deutschland und vermutlich einige Millionen weltweit – auch ein Hobby. Viele schauen sich die verkraterte Mondoberfläche oder die Planeten durch ein kleines Teleskop an, andere liegen auf der Lauer, um Sternschnuppen zu erhaschen, und wieder andere bauen sich clevere Geräte, um damit auch dunklere Himmelsobjekte farbenfroh fotografieren zu können. Der Autor dieses Buchs gehört wohl zu dieser dritten Gruppe.
Seine Einführung in die praktische Amateurastronomie hat Frank Sackenheim in 14 Kapitel eingeteilt. Zunächst können sich die Leser grob orientieren: Was kann man wann wo sehen? Schon im zweiten Kapitel ist klar: Ohne Hilfsmittel entgeht einem Vieles. Bereits ein Feldstecher oder ein kleines Teleskop eröffnen neue Welten. Kapitel drei widmet sich der Lichtverschmutzung und den Möglichkeiten, ihr auszuweichen. Im vierten Kapitel präsentiert der Autor die Freeware »Stellarium«. Das Folgekapitel wagt einen zweiten Blick in den Nachthimmel und erläutert verschiedene Leuchterscheinungen am Himmel. Kapitel sechs leitet den Bau einer »Allsky-Kamera« an, also einer Kamera mit Fischaugenobjektiv, das den gesamten Himmel einfängt. Weiter geht es mit einer Vorstellung des Mondes.
»Deep Sky« auch für Hobbyastronomen
Das achte Kapitel nimmt sich der Spektroskopie an, die unter Hobbyastronomen weniger beliebt ist, doch das zentrale Rückgrat der professionellen Astronomie bildet. Es folgen eine Reise zu den Planeten des Sonnensystems sowie ein Kapitel dazu, wie man dessen Objekte fotografieren kann. Doch auch Hobbyastronomen blicken weiter hinaus – zu den sogenannten »Deep Sky«-Objekten, also Sternhaufen, Gasnebeln und Galaxien. Um diese ausgedehnten und dunkleren Objekte zu fotografieren, benötigt man längere Belichtungszeiten und deswegen eine Montierung für die Kamera, durch die sich die Erddrehung kompensieren lässt. Wie das im Selbstbau günstig gelingen kann, zeigt Kapitel zwölf, das sich auch der anschließenden Bildverarbeitung widmet. Um Smart-Teleskope und andere moderne Hilfsmittel geht es im vorletzten Abschnitt, bevor Sackenheim seine Leser zum Schluss dazu anregt, ihren eigenen Weg mit der Sternguckerei zu finden, und dafür noch mit einigen Tipps aufwartet.
Zwei Bücher in einem
Das Buch wendet sich an Laien und Anfänger unter den Hobbyastronomen. Gleichzeitig führt der Text viel weiter, als es für diese Zielgruppen angemessen wäre. Bereits auf Seite 76 sollen sich die Novizen dem Bau eines Skymeters widmen, das den Grad der Dunkelheit des Nachthimmels misst. Um die beobachtende Astronomie als Hobby zu genießen, ist das wirklich nicht nötig. Ebenso wird der Bau eines Spektrometers besprochen. Ganze 24 Seiten nimmt die Bauanleitung für die Allsky-Kamera ein und gar 40 Seiten der Eigenbau einer einfachen, nachführenden Montierung. Das dürfte abschreckend auf all jene wirken, die vor allem in den Himmel schauen möchten. Das Werk besteht so eigentlich aus zwei Büchern mit unterschiedlichen Schwerpunkten, deren Inhalte in einem vermischt wurden: einer Einführung in die Himmelsbeobachtung und einer praktischen Anleitung für versierte Astrobastler. Diese beiden Themenkomplexe auf zwei Bücher zu verteilen, wäre deutlich besser gewesen.
Ebenso fehlt ein für meinen Geschmack für den interessierten Laien wichtiger Tipp, der etwa so lauten könnte: »Wenn Sie sich für die Hobbyastronomie interessieren, besuchen Sie einen Astroverein oder die nächstgelegene Volkssternwarte. Dort können Sie durch relativ hochwertiges Equipment schauen und unter Anleitung erste Erfahrungen sammeln.« Das ist gerade am Anfang sicher sinnvoller, als sich an den mitunter anspruchsvollen Bastelarbeiten zu versuchen.
Zu viel Software
Etwas stiefmütterlich behandelt das Buch äquatoriale Montierungen: stabile Konstruktionen, die ein Teleskop aufnehmen und so ausrichten, dass eine der beiden Drehachsen parallel zur Erdachse verläuft. Die Erddrehung kann man dann leicht per Dreh an einem Rad ausgleichen oder diese Aufgabe einem Motor überlassen. Günstig sind diese Montierungen nicht, aber sie tragen meines Erachtens viel zur Freude am Beobachten bei. Und die Erklärung, wie man eine solche Montierung korrekt ausrichtet, hätte gut in dieses Buch gepasst.
Zahlreiche Abbildungen im Text sind Screenshots aus Astroprogrammen, deren Bedienung sie illustrieren sollen. Leider sind viele von ihnen zu dunkel, ihr Text ist schwer lesbar, und prinzipiell sind solche Softwareanleitungen in Buchform schnell veraltet. Warnungen wie die, beim Sägen auf scharfe Kanten aufzupassen, sind eher amüsant als zielführend.
Zweifellos verfolgt Frank Sackenheim ein wertvolles Anliegen: möglichst vielen Menschen die Schönheit des Nachthimmels zu erschließen. Leider ist das Konzept seines Buchs nicht stimmig. Für Laien wären ein paar Sternkarten mehr wohl besser gewesen als die zahlreichen Bauanleitungen. Für jemanden wiederum, der ein Skymeter konstruieren möchte, ist eine Reise durch das Sonnensystem überflüssig. So richtig glücklich werden deswegen vermutlich weder die Himmelsnovizen noch die Astrobastler mit diesem Buch.
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