»ATMOS – Faszination Wetter«: Von Blitzen, Polarlichtern und Vulkankegeln
Wenn man einen Bildband von »National Geographic« aufschlägt, erwartet man herausragende Fotografien – und »ATMOS« enttäuscht hier nicht. Bastian Werner verbindet meteorologisches Wissen mit fotografischem Können und hat so eine beeindruckende Bandbreite verschiedenster optischer Himmelsphänomene in Bilder gebannt. Auch wenn es entgegen der sehr selbstbewussten Behauptung des Untertitels vielleicht doch nicht »alle« sind – die Vielfalt der hier präsentierten Phänomene ist enorm.
Perfektes Timing
Der Autor gliedert all das, was sich am Himmel (und darunter) zeigt, in zwölf Kapitel. Darin widmet er sich so unterschiedlichen Dingen wie Gewitterwolken, Polarlichtern, Staubteufeln oder Eisstrukturen. Um Fotos dieser Qualität zu machen, bedarf es vor allem des richtigen Timings. Werners meteorologische Expertise ermöglichte es ihm, exakt den Moment und die Position für das perfekte Foto zu finden. Er musste viele Faktoren wie Wetterverhältnisse, Sonnenstand oder Luftfeuchtigkeit in seine Planungen einbeziehen, um vom in jeder Hinsicht idealen Standpunkt aus seinen Auslöser bedienen zu können. Wie viel Zeit und Arbeit – der enthusiastische Autor würde sich hier vermutlich den Begriff »Arbeit« verbitten – in den Aufnahmen steckt, kann man sich kaum ausmalen. Viele der Bilder stammen aus Deutschland, für andere musste (und durfte) der Autor weit reisen – etwa in hohe geografische Breiten, in Wüstengebiete oder in die Höhenlagen der Anden.
Die einzelnen Fotografien sind jeweils mit kurzen und prägnanten Erklärungen zu den wissenschaftlichen Hintergründen des jeweiligen Phänomens versehen; so erschließt sich der wissenschaftliche Kontext der beeindruckenden Fotos. Gelegentlich sind auch Erläuterungen zur Genese der jeweiligen Aufnahme eingestreut, was sich – trotzt eines gewissen Pathos, das der Begeisterung des Autors geschuldet ist – interessant liest und den Leser an den fotografischen Erkundungen teilhaben lässt. Etwas schade ist, dass die Bilder nicht mit Informationen zu Standort, Kameratyp und Aufnahmeeinstellungen versehen sind, was sonst bei Veröffentlichungen von »National Geographic« durchaus üblich ist. Gerade in Zeiten hochentwickelter Bildbearbeitungsprozesse – durchgeführt nicht zuletzt mithilfe künstlicher Intelligenz – wäre es interessant zu wissen, wie viel Nachbearbeitung in einem Bild steckt, wenn es beispielsweise den Himmel in eindrucksvollen Kontrasten zeigt.
Dies schmälert aber keineswegs den Gesamteindruck des absolut lesens- und sehenswerten Bildbands, den der Autor (Jahrgang 1993) auf seiner Homepage als sein »Lebenswerk« bezeichnet. Man mag hoffen, dass dies dieser Begriff nicht so abschließend gemeint ist, wie er klingt, und sich das Œuvre des Autors noch um weitere ähnlich hochwertige Werke erweitert.
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