»Auf der Suche nach Georg«: Offen über den Tod sprechen
Ein Kind sucht gemeinsam mit seinem Vater nach Kater Georg. Sie fragen die Nachbarin, gehen am Teich vorbei und schauen beim verfallenen Haus mit den streunenden Katzen nach. Doch Georg bleibt verschwunden. Als sie die Bremsspuren eines Autos entdecken, steht plötzlich eine beunruhigende Frage im Raum: Ist Georg vielleicht verletzt – oder gar tot?
»Auf der Suche nach Georg« vom norwegischen Autor und Illustrator Ragnar Aalbu ist eine einfache und zugleich ernsthafte Geschichte über Verlustangst und den Tod. Erzählt wird aus der Perspektive des Kindes. Die Katze ist da, »seit ich klein bin«, sagt es und macht so deutlich, wie sehr Georg Teil seines Lebens geworden ist. Durch sein Verschwinden ist die Welt als Ganzes plötzlich unsicher geworden.
Bemerkenswert ist die Rolle des Vaters. Weder beschwichtigt noch vermeidet er, sondern spricht offen darüber, dass Georg tot sein könnte: »Katzen werden manchmal von Autos überfahren«, sagt er. Und dass niemand wisse, was aus denen wird, die sterben. »Der Körper bleibt auf jeden Fall zurück.« Der Vater nimmt das Kind ernst und beantwortet ehrlich seine Fragen.
Irreführende Metaphern der Erwachsenen
Viele Erwachsene umschreiben den Tod Kindern gegenüber mit Metaphern, etwa »Opa ist von uns gegangen« oder »Oma ist eingeschlafen«. Doch Kinder verstehen so etwas schnell wörtlich, was ihnen dann Angst einjagen kann – etwa davor, dass ihre Eltern nicht zurückkommen könnten, wenn sie das Haus verlassen. Oder dass sie selbst nicht mehr aufwachen könnten, nachdem sie eingeschlafen sind.
Dabei können auch jüngere Kinder schon die grundlegenden Aspekte des Todes verstehen. Aalbus Buch zeigt, wie ein offenes Gespräch zwischen Eltern und ihren Kindern aussehen kann. So sagt der Vater: »Manche Leute glauben, dass alles zu Ende ist, wenn man stirbt. Dass man dann einfach für immer … weg ist. Andere glauben, dass man nach dem Tod an einem anderen Ort ist.«
Raum für Emotionen
Die Bilder passen in ihrer zurückhaltenden Art zu der auf kurzen, ruhigen Dialogen beruhenden Geschichte. Der mehrfach ausgezeichnete Autor und Illustrator Aalbu konzentriert sich auf das Wesentliche. Große Weißräume lassen Raum für Emotionen – Unsicherheit, Hoffnung, Angst. Auf den Seiten finden sich vor allem warme Naturtöne wie Beige, Ocker oder Braun.
In dem Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren bleibt der Tod eine Möglichkeit, statt zur Realität zu werden: Am Ende taucht Georg wieder auf. Dieses Happy End ist entlastend, weil es die Verlustangst des Kindes ernst nimmt, ohne dass es tatsächlich mit dem Tod konfrontiert wird. Das Happy End könnte aber Kinder irritieren, die bereits einen realen Verlust erlebt haben: Wenn Georg zurückkehrt, warum kommt dann mein Haustier oder mein Angehöriger nicht wieder?
»Auf der Suche nach Georg« ist daher eher ein Buch über die Angst vor dem Tod als über den Tod selbst. Es zeigt, wie Eltern ohne Ausflüchte mit Kindern über dieses ernste Thema sprechen können – und dass Kinder damit oft besser zurechtkommen, als Erwachsene es ihnen zutrauen.
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