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Spannende Saurier

Die Rezeptionsgeschichte der »Dinos« sei immer zugleich eine natur- und kulturwissenschaftliche, schreibt Bernhard Kegel.

Der Berliner Biologe, Chemiker und renommierte Autor Bernhard Kegel nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf einen Trip durch die Geschichte der Dinosaurier. Er erzählt diese Geschichte nicht nur aus der Sicht der Paläontologie, sondern hinterfragt auch, welche Rolle die gewaltigen Landwirbeltiere in Kinderzimmern, Abenteuerfilmen und Computerspielen spiel(t)en. Kegel vergleicht dabei stets das Bild, das Forscher sich von den »schrecklichen Echsen« machten, mit jenem, das die Populärkultur zeichnet(e). Auf diese Weise stellt er sowohl die Geschichte der Wissenschaft als auch die der medialen Aufbereitung anschaulich dar, womit er vor allem erwachsene Leser ansprechen möchte. Warum gehören die Tiere, die seit dem Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben sind, heute fest zur Populärkultur? Was wissen wir gesichert über sie, und was gehört ins Reich der Fantasie? Solchen Fragen geht der Autor nach.

Jede neue Entdeckung, schreibt Kegel, verändere das Bild, das sich die Menschen von den »Dinos« machten. So regten die Fisch- und Flugsaurierfossilien, die Mary Annings (1799-1847) in Südengland fand, den Geologen Henry Thomas de la Bèche (1796- 1855) dazu an, das Aquarell »Duria Antiquior« zu malen. Auf dem Gemälde kämpfen ein Plesiosaurus und ein Ichthyosaurus miteinander. Fossilienfunde in Nordamerika um die Mitte des 19. Jahrhunderts wiederum veranlassten die Menschen dazu, sich Dinosaurier als riesige drachenähnliche Wesen vorzustellen. Schon bald hielten die Tiere Einzug in die US-Konsumkultur, indem sie beispielsweise als Logo des Unternehmens Sinclair Oil auf Tankstellen abgebildet wurden. Deutlich revidiert wurde das Bild von den »schrecklichen Echsen«, als der chinesische Paläontologe Lida Xing auf einem Markt in Myanmar auf 99 Millionen Jahre alten Bernstein stieß, in dem ehemalige Wirbelknochen samt Federkleid eingeschlossen waren – der Schwanz eines kleinen Dinosauriers.

Von der trägen Echse zum Riesenhuhn

Die Vorstellung, die sich die Menschen von den ausgestorbenen Tieren machten, wandelte sich so vom schwerfälligen Ungetüm zum wendigen Jäger, von der kriechenden Rieseneidechse zum zweibeinigen Drachen und schließlich zum gefiederten Riesenhuhn. Heute, so Kegel, sei bekannt, dass die Artenvielfalt der Dinosaurier enorm war und ihre Körpergrößen von der eines Spatzen bis zu jener eines Jumbojets reichten. Oft ist das aber nur Kennern klar. Laien werden in aller Regel stark von Filmen wie »Godzilla« oder »Jurassic Park« geprägt, deren Bildwelten sich bei Kinderzimmertapeten, Kuscheltieren, Playmobilfiguren sowie in Büchern, Videospielen und Vergnügungsparks wiederfinden.

Kegel betont, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse widersprächen oft den medialen Konstrukten. So sei längst bekannt, dass Vögel und Reptilien gemeinsame Vorfahren haben, weshalb auch viele Dinosaurier Federn besaßen – was sich in etlichen Filmen nicht spiegelt. Zudem wäre das klischeehafte Brüllen und Trampeln, das den Tieren oft zugeschrieben wird, dem täglichen Überlebenskampf eher abträglich gewesen, denn es hätte sowohl Jagd- und Anschleichstrategien durchkreuzt als auch ein Verstecken unmöglich gemacht. Der Autor zeichnet ein realitätsnäheres Bild der Tiere, das infolge immer neuer wissenschaftlicher Entdeckungen einem stetigen Wandel unterliegt. Dabei erzählt er interessante Details, etwa dass die Ausscheidungen eines 80 Tonnen schweren Dinos vermutlich um die 1,5 Tonnen täglich umfassten oder dass einige Saurierarten in Herden von mehreren tausend Tieren zusammenlebten.

Die Lektüre vermittelt Wissenswertes über die einstigen Erdbewohner und macht klar, dass die (Rezeptions-)Geschichte der Dinosaurier immer zugleich eine natur- und kulturwissenschaftliche ist. Das Werk lässt sich uneingeschränkt empfehlen, auch jenen Lesern, die bisher keine eingefleischten Dinofans waren.

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