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»Bakterien – die heimlichen Helden«: Einflussreiche »Knilche«

Peter Wohlleben schildert den Beitrag von Bakterien zur Entstehung des Lebens, ihren Einfluss auf unseren Alltag und ihr Potenzial zur Gestaltung unserer Zukunft.

Wir können sie (meist) nicht sehen, aber sie sind überall: auf unserem Küchenschwamm, in unserem Darm, auf der Türklinke oder unter unseren Achseln. Die Rede ist von Bakterien. Zwar sind die Mikroorganismen an der Entstehung mancher Krankheiten beteiligt, tragen aber auch zu unserer Gesundheit bei. Sie beeinflussen unser Verhalten, können Mikroplastik oder gar Steine abbauen. Bakterien sind die heimlichen Helden der Erde – sagt Peter Wohlleben. Der Förster und Autor, der vor allem für Bücher zu den Themen Wald und Umweltschutz bekannt ist, nimmt den Leser mit in die Welt der Bakterien und vermittelt eindrücklich: Ohne sie wäre Leben auf der Erde nicht möglich.

Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt. In ihnen geht es darum, was Bakterien zur Entstehung des Lebens beigetragen haben, wodurch sie unseren Alltag beeinflussen und wie sie bei der Gestaltung der Zukunft zu Verbündeten werden könnten. Jeder dieser Abschnitte gliedert sich in mehrere Unterkapitel, die kurzweilig und leicht verständlich geschrieben sind. Die Kapitel bauen zwar aufeinander auf, können aber auch je für sich gelesen und immer wieder genutzt werden, um das Wissen zu einzelnen Themen aufzufrischen.

Gute Wirkung, schlechte Wirkung

Zunächst geht es um die Entstehung des Lebens. Wohlleben geht den Fragen nach, ob es auch im Weltraum Mikroorganismen gibt, wie Bakterien das Wetter beeinflussen und wo wir sie auf der Erde sehen oder riechen können. Im Alltag sind wir oft mit den Nachteilen von Bakterien als Krankheitserregern konfrontiert. Wohlleben beschreibt, wo sie zu finden sind – zum Beispiel in Kühlschrank, Seifenspender oder Waschmaschine – und wie man sie dort in Schach hält. Aber auch die positiven Seiten der Bakterien kommen in diesem Buch nicht zu kurz. So verwenden wir sie in Lebensmitteln (Käse, Sauerkraut), sie können uns – als wesentlicher Aspekt eines gesunden Darms – sportlicher machen, ja, es empfiehlt sich sogar, sie nach einer Antibiotikagabe gezielt zuzuführen, um unser Darmmikrobiom schneller wieder herzustellen. Spannend zu lesen ist auch, dass jede Stadt einen individuellen mikrobiellen Fingerabdruck hat, oder wie sich die Bakterien auf der rechten und linken Hand voneinander unterscheiden. Schließlich können die »Wichte«, wie Wohlleben sie nennt, auch Einfluss auf unsere Zukunft haben: Sie können Mikroplastik abbauen, Steine zersetzen und Wälder retten.

Vermenschlichung der Natur als Stilmittel

Wohlleben verfügt über ein großes Erzähltalent und schafft es, den Leser mitzureißen: Durch direkte Ansprachen, Kommentare in Klammern – etwa »(igitt!)« zu Schwefelverbindungen – und umgangssprachliche Bezeichnungen (»Knilche« oder »Wichte« für Bakterien) schafft er Nähe. Dabei vereinfacht er manche Zusammenhänge und vermenschlicht das Leben der Bakterien, um Sachverhalte verständlich zu machen – aber er bleibt dabei stets fachlich korrekt. Die Vermenschlichung der Natur, die in der Wissenschaft in der Regel verpönt ist, setzt Wohlleben bewusst ein; er sieht sie als sinnvolles Stilmittel, um auch Laien komplexe Themen zugänglich zu machen. Außerdem argumentiert er, dass es anmaßend sei, nur mit Blick auf den Menschen von »Bewusstsein« zu sprechen, und betont, dass auch wir unsere Existenz nur den Zufallsprozessen der Evolution verdanken. Dem möglichen Bewusstsein der Bakterien widmet er ein ganzes Kapitel.

Sein großes Ziel, Menschen mehr Respekt vor der Natur zu vermitteln und ihnen diesen zu ermöglichen, erreicht der Autor auch mit diesem Buch. Selbst wenn man als Leser manches schon vor der Lektüre wusste – etwa, dass Spülschwämme ein Eldorado für Bakterien sind –, lernt man doch auch jede Menge Neues, das sich auch im Alltag als nützlich erweisen kann: dass zum Beispiel Stückseife gar nicht so hygienisch ist, wie man vielleicht meint, oder warum Bakterien Silber und Gold nicht »mögen«. Und das Buch zeigt auch auf einer grundsätzlicheren Ebene, wie in der Natur alles mit allem verknüpft ist und dass wir ohne Bakterien nicht leben könnten.

So vermittelt Peter Wohlleben eingängig die enorme Bedeutung von Bakterien: Sie sind maßgebliche Bestandteile eines großen Netzwerks, das unseren Planeten prägt und formt – im Großen wie im Kleinen.

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