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Von Plastikleichen bis Marlenes Brille

"Die Krankenschwester Elfriede Geißler (1908-1959) erkrankte als junge Frau schwer und linderte ihre Beschwerden durch Kneippsche Heilanwendungen. Von diesem Weg überzeugt, eröffnete sie 1947 gegen viele Widrigkeiten ein Kneipp-Kurheim in ihrem Heimatdorf Endbach, das Kurhaus 'Dennoch'."

Mittlerweile trägt das Dorf den Beinahmen Bad, heißt also Bad Endbach. Es bietet seinen Besuchern unter anderem ein Kneipp-Museum – eine der zahlreichen Einrichtungen, über die Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt im vorliegenden, zweibändigen Werk berichten. Die Wissenschaftsjournalisten stellen Ausstellungen und öffentliche Sammlungen in Deutschland vor, die sich mit Medizin und Pharmazie befassen. Erstaunlicherweise ist es ihnen gelungen, 170 davon aufzuspüren. Zum Vergleich: Wikipedia verzeichnet gerade mal 30 medizinhistorische Museen in Deutschland.

Die Bände sind ähnlich gegliedert wie Reiseführer. Der erste befasst sich mit Ausstellungen in Nord-, der zweite mit solchen in Süddeutschland. Beide Bücher sind sehr lesefreundlich und übersichtlich gestaltet. Wegen der praktischen Sortierung nach Bundesländern findet man schnell entsprechende Museen oder Sammlungen nahe dem eigenen Wohnort. Jede Einrichtung wird auf zwei bis vier Seiten anschaulich beschrieben, wobei die Autoren auf besondere Exponate hinweisen und interessante Hintergründe vermitteln, etwa die Geschichte von Elfriede Geißler.

Auf Tuchfühlung mit Toten

Das inhaltliche Spektrum ist sehr breit. So berichten die Autoren selbstverständlich über bekannte Einrichtungen wie das Körperwelten-Museum des Anatomen Gunther von Hagens, das mit seinen plastinierten Leichen nach wie vor für Kontroversen und Schlagzeilen sorgt. Auch Kuriositäten wie das Schnarchmuseum in Alfeld oder das Brillenmuseum in Hamburg, in dem ein Nasengestell von Marlene Dietrich (1901-1992) zu sehen ist, kommen vor. Zudem richten die Autoren den Blick auf kaum bekannte Ausstellungen wie das MuSeele in Göppingen – eine Schau mit dem Thema Seele, welche kreativ inszeniert die Geschichte der Psychiatrie behandelt.

Allemal erreichen die Autoren ihr selbst erklärtes Ziel, den Lesern die Vielfalt der Museumslandschaft zu präsentieren und Lust auf Besuche zu machen. Das Werk richtet sich besonders an interessierte Laien, nutzt aber sicherlich auch Kennern. Insgesamt eine gut durchdachte, klar strukturierte und lebendig geschriebene Publikation. Verbesserungswürdig erscheint allerdings die Bebilderung. Statt vieler kleiner Aufnahmen ohne Beschriftung und ohne Textbezug wäre es besser, weniger, doch dafür größere und aussagekräftigere Fotos mit Bildunterschrift einzusetzen.

Wer sich für ganz bestimmte Einrichtungen interessiert, etwa Apothekenmuseen, findet zusätzlich hinten im Buch eine Auflistung nach Themenschwerpunkten. Adressen, Telefonnummern, Websites und Öffnungszeiten der meisten Sammlungen und sogar eine Ausstellungsübersicht für Österreich und die Schweiz sind ebenso vorhanden.

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