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Gehirn in Bewegung

Warum sich Joggen, Spazierengehen und Radfahren positiv auf unser Denken und Fühlen auswirken.

Nach der Arbeit noch laufen gehen oder lieber direkt auf die Couch? Manuela Macedonia muss da nicht lange überlegen. Sie ist Neurowissenschaftlerin an der Universität Linz, macht fast täglich Sport und ausschließlich Aktivurlaube.

Doch das war nicht immer so. Vor einigen Jahren wurde sie wachgerüttelt. Zehn, zwölf Stunden am Tag saß sie im Büro, war überlastet, gestresst und schlief schlecht. Eines Nachmittags entdeckte sie einen Forschungsartikel, der genau die fehlenden Informationen lieferte, die sie für ihre eigene Publikation benötigte. Euphorisch markierte sie die Stellen und kritzelte Notizen an den Rand, bis sie merkte, dass der gleiche Artikel mit ähnlichen Notizen versehen schon auf ihrem Schreibtisch lag. Ihr Gedächtnis hatte sie im Stich gelassen! An jenem Tag traf Manuela Macedonia die Entscheidung, ihr Gehirn besser zu behandeln – mit Bewegung.

In sieben Kapiteln präsentiert die Autorin aktuelle Forschungsergebnisse über die positiven Auswirkungen von Bewegung auf unser Denkorgan. Sie beginnt mit den Grundlagen und dem Aufbau unseres Gehirns. Anschließend berichtet sie unter anderem, wie Sport Menschen mit einer Depression sowie Jugendlichen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne helfen kann. Sie stellt auch Studien vor, die zeigen, dass das Gehirn älterer Menschen schon vom Spazierengehen profitiert.

Sport lässt nicht nur neue Neurone sprießen, sondern regt viele nützliche Prozesse an. So bilden sich neue Blutgefäße und Synapsen, die Kontaktstellen von Nervenzellen. Darüber hinaus beflügelt Bewegung auch die Kreativität. Beim Spazierengehen, Wandern oder Joggen kommen einem häufig die besten Ideen. Man entlastet dabei nämlich oft jene Hirnregionen, die Multitasking betreiben. Stattdessen ist das so genannte Ruhezustandsnetzwerk aktiv.

Die Autorin scheut nicht davor, Fachwörter zu benutzen, erklärt diese jedoch leicht verständlich. So liest sich ihr Buch auch keineswegs trocken, denn sie wechselt zwischen wissenschaftlichen Erläuterungen und Anekdoten aus ihrem eigenen Leben ab. Die zahlreichen niedlichen Zeichnungen und gelb markierten Stichwörter machen es schon auf den ersten Blick ansprechend.

Schade, dass Macedonias Ausführungen beim Thema Ernährung etwas einseitig und unwissenschaftlich daherkommen. Sie spricht etwa von »Ernährungsgurus«, die Zucker, Weißbrot und tierische Fette verdammten, aber nicht davon, dass (und wie) sich gesundes Essen positiv auf das Gehirn auswirken kann.

Der spannende und anschaulich erzählte Inhalt entschädigt für diesen Abstrich. Das Buch ist allen zu empfehlen, die einen Motivationsschub brauchen, um ihren inneren Schweinehund zu überwinden, und neugierig auf die Vorgänge sind, die durch Bewegung im Gehirn in Gang gesetzt werden.

3/2019 (Mai/Juni)

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Psychologie, 3/2019 (Mai/Juni)

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