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Ergiebiger Rundumschlag

Wo liegen die Chancen und die Risiken der Gentechnik? Ist es moralisch vertretbar, einen Menschen zu klonen? Fördert die Rinderhaltung den Klimawandel? Wie wirkt sich der Verlust der Biodiversität aus, und stecken die Naturwissenschaften in einer Krise? Solche Fragen rund um Biologie und Ethik diskutieren die Autoren dieses Buchs. Das Werk versammelt sehr verschiedene Beiträge, darunter Vortragsmanuskripte, Buchauszüge und Wissenschaftsreportagen. Die meisten Texte sind erst vor relativ kurzer Zeit erschienen, manche aber auch bereits Jahrzehnte alt, ohne an Aktualität eingebüßt zu haben.

Das Buch untergliedert sich in vier große Abschnitte. Im ersten geht es darum, woher wir kommen und was uns zu Menschen macht. Die Leser begeben sich hier auf eine Zeitreise durch die menschliche Entwicklung, lernen die genetische Vielfalt der heutigen Europäer kennen und erfahren, welch große Bedeutung Kunst und Musik für den Homo sapiens haben.

Der zweite Abschnitt befasst sich damit, wie weit der wissenschaftliche Fortschritt gehen darf. Unter anderem geht es darum, welche Möglichkeiten Genomeditierung und Klonen bieten – von optimierter Landwirtschaft über Gentherapie bis hin zu Keimbahnveränderungen zu medizinischen Zwecken. Die Autoren verschweigen aber auch die technischen Hürden und Risiken solcher Methoden nicht, beispielsweise unerwünschte Off-Target-Effekte bei der CRISPR/Cas-Methode. Zudem setzen sie sich mit den persönlichen und gesellschaftlichen Problemen auseinander, die mit einer übertriebenen Optimierung des Menschen einhergehen können.

Treibhausgas-Emittenten auf vier Beinen

In Zeiten von Tierschutzdebatte und Artenschwund ist das Verhältnis zwischen Mensch und Natur stark umstritten – und Thema des dritten Abschnitts "Was machen wir mit der Natur?". Die Autoren legen unter anderem dar, wie sich Rinder halten lassen, ohne den Klimawandel zu sehr zu fördern, und welche praktischen Probleme es nach sich ziehen würde, wenn alle Menschen auf vegane Ernährung umstellen würden. Weiterhin befassen sie sich mit dem Reizthema Tierversuche. Das hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz, aber die Aussagekraft der entsprechenden Beiträge kommt an die der anderen im Buch nicht heran. Denn leider sprechen die Autoren die Gründe und Regelungen für Tierversuche nur sehr abstrakt an, ohne Chancen und moralische Aspekte auszuleuchten.

Unter der Überschrift "Woher nehmen wir unsere Maßstäbe?" widmet sich das Buch schließlich allgemeinen bioethischen Betrachtungen. Unter anderem erscheinen hier Textauszüge von Papst Franziskus, in denen er sich mit biologischem Fortschritt befasst. Der Chemiker und Schriftsteller Erwin Chargaff wiederum setzt sich kritisch mit der Struktur des wissenschaftlichen Systems auseinander und den Problemen, vor denen Biologen stehen. So beklagt er die Finanzierung naturwissenschaftlicher Projekte, die meist nur auf wenige Jahre beschränkt ist und daher langfristig ausgelegte Forschungsvorhaben erschwert. Ebenso warnt Chargaff vor einer Entfremdung der Naturwissenschaften von der Gesellschaft, die in gegenseitiges Misstrauen zu münden droht. Erschreckend, wie aktuell dieser Beitrag aus dem Jahr 1979 ist.

Das Werk versteht sich als "Lesebuch mit Provokationen und Denkanstößen". Diesem Anspruch wird es gerecht. Die Autoren bereiten gesellschaftlich relevante Themen aus Molekularbiologie, Ökologie, Anthropologie und Kulturwissenschaften auch für Laien verständlich auf, und es dürfte sich für jeden etwas finden lassen. Da die Beiträge unabhängig voneinander entstanden sind, tritt die eine oder andere Redundanz auf, während andere Themen nur gestreift werden. Etwas schade ist auch, dass Hinweise auf weiterführende Literatur fehlen. Unterm Strich jedoch ist das Werk mit seiner unaufgeregten Sachlichkeit sehr empfehlenswert.

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