»Biome der Meere«: Abtauchen in schützenswerte Wasserwelten
Die Natur und alles, was in ihr kreucht und fleucht, präsentieren sich immer vielfältig und erscheinen uns oft auch bizarr. Eben jene Vielfalt fasziniert die Autorin und Illustratorin Juliana Aschwanden-Vilaça. In ihren Sachbüchern möchte sie diese Faszination mit Kindern teilen und ihnen tiefergehende Einblicke in die verschiedenen Lebensräume dieser Welt geben, die so genannten Biome. Im vorliegenden Kinderbuch lädt sie junge Leser dazu ein, in die Welt der Meere und ihrer Bewohner abzutauchen. Das ist auch gut so, denn obwohl der Großteil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist, wissen wir nach wie vor mehr über den Mond als über die Tiefsee. Aschwanden-Vilaça, am brasilianischen Atlantik geboren und lange für Umweltschutzorganisationen tätig, liegt das Meer besonders am Herzen. Es ist für sie Sehnsuchtsort und schützenswerter Schatz zugleich. So will das Buch nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem eines: an uns alle appellieren, die Wunder der Natur wertzuschätzen und zu schützen.
Für ihr fast 100 Seiten starkes, bilderreiches Buch hat sie sich über den Globus verteilt elf Biome ausgesucht. Darunter finden wir Flachwasserkorallenriffe, Mangroven, Strände und die Tiefsee. Auf einer Weltkarte am Buchanfang sind die Lebensräume farbig markiert, zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es den dazu passenden Kartenausschnitt. Nach einer kompakten Einleitung ins jeweilige Biom folgen Kurzporträts von Fischen, Amphibien, Vögeln und Säugetieren sowie ausgewählten Pflanzen mit besonderer Bedeutung für einen Lebensraum. In kurzen Texten, die sich locker auf Doppelseiten verteilen, erfahren wir mehr zu einzelnen Bewohnern. Der Stil ist informativ, sachlich, der Satzbau manchmal durchaus komplex, zudem fallen immer wieder Fachbegriffe. Die meisten von ihnen lassen sich aber im Glossar am Ende des Buchs nachschlagen.
Von unsterblichen Quallen und hitzefesten Würmern
Blättern wir uns durch das großformatige Sachbuch, erleben wir dabei eine Lehrstunde in Evolutionsbiologie: Viele der erstaunlichen und ungewöhnlichen Lebewesen haben sich fantastisch an die herrschenden Bedingungen angepasst und damit ihre dauerhafte Existenz gesichert. So leben auf den Galapagosinseln Kormorane, die zwar nicht fliegen, aber sehr gut tauchen können. In der Karibik hat sich der Regenbogen-Papageifisch auf Algenmahlzeiten spezialisiert. Dabei hilft ihm sein schnabelartig geformter Mund voller verkalkter Zahnplatten, mit denen er die Algen von den harten Korallen abschabt. Und dann ist da noch die Diamantschildkröte, die an verschiedenen Küsten der USA lebt. Mit speziellen Drüsen filtert sie überschüssiges Salz aus ihrem Körper, so dass sie nicht nur in Süßwasser, sondern auch in salzhaltigen Meeresgewässern existieren kann. Außerdem staunen wir über Wesen, die in der Tiefsee Unglaubliches leisten: wie die unsterbliche Qualle, aus deren nachwachsenden Polypen sich immer wieder neue Quallen entwickeln, oder den Pompeji-Wurm, der an heißen Schloten lebt und Temperaturen von bis zu 105 Grad Celsius locker wegsteckt.
Nicht weniger faszinierend als das präsentierte Wissen sind die ausdrucksstarken und kunterbunten Illustrationen in Aquarelltechnik, die auch als noch so kleine Abbildung jedes Detail erkennen lassen. Wir können die feinen Zähne im aufgerissenen Maul des Rotlachses buchstäblich zählen und sind verblüfft von der feinen Rückenzeichnung kleiner Lederschildkröten. Dabei wendet Aschwanden-Vilaça für ihre Illustrationen eine raffinierte Technik an, welche die Tiere manchmal sogar zum Leuchten bringt: Leicht dahingetupfte Bilder von zarten Wesen wirken regelrecht transparent, so dass der Hintergrund aus nachtschwarzer See oder ein blubbernder Strudel am Boden durch sie hindurchscheint.
Das beeindruckend gestaltete und inhaltlich hochinteressante Sachbuch lässt sich je nach Bedarf und Zeitbudget von vorn bis hinten lesen oder an einer beliebigen Stelle aufschlagen, um sich in eine bestimmte Biomwelt zu vertiefen. Ein Glossar sowie ein alphabetisches Register mit Angaben zu den wissenschaftlichen Namen von Tieren und Pflanzen, ihrem Habitat und dem Status ihrer Bedrohung runden das Lese- und Lernerlebnis ab.
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