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Buchkritik zu »Biotechnologie für Einsteiger.«

Was empfiehlt der Autor? Buch aufschlagen und sich festlesen. Genau das passiert. 285 Seiten geballte und (vor allem!) sehr unterhaltsam aufbereitete Information erwarten den Leser.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der sich für nichts aus dem breiten Angebot interessiert: Wir erfahren, dass im heißen Klima der Urstätten der Zivilisation durch Gärung hygienisch einwandfreie Getränke hergestellt werden konnten; wie Käse, Tequila, Bier, Sojasauce und andere asiatische fermentierte Produkte produziert werden; wie eine Schneekanone funktioniert, wie Antibiotika wirken und wie neue Typen entwickelt werden; die Geschichte des Einweckens von Lebensmitteln (durch die Firma Weck), wesentliches über monoklonale Antikörper, Biogas (die größten Methanproduzenten auf der Welt sind die Termiten), Probleme bei der Entwicklung einer Impfung gegen HIV, Klonen, Vogelgrippe, Krebstherapie, Anti-Aging, Point-of Care-Testung… und ganz nebenbei, so meint man, bekommt man auch noch eine gut verständliche Einführung in Zellbiologie, Wirkungsmechanismen von Enzymen, molekulare Genetik, Grundlagen der Immunologie, Bakteriensytematik usw. Überhaupt ist dieses Werk wieder einmal ein Beispiel dafür, dass es durchaus möglich ist, in flottem und unterhaltsamem Stil auch Fakten-lastig zu schreiben!

Reinhard Renneberg, Professor für analytische Biotechnologie an der Hongkong University of Science and Technology, lässt ein wahres Feuerwerk auf seine Leser los. Der Text der zehn Kapitel gibt einen Abriss der Geschichte bis hin zu den neuesten Richtungen der Biotechnologie. Er behandelt die grüne, weiße und rote Biotechnologie, und das immer mit dem Leser, in einer gut verständlichen Sprache, jeder Begriff wird erläutert, Herausheben durch Fettdruck erleichtert das Einprägen und Wiederfinden.

Auf den breiten Rändern, oft auch halbseitig, gibt es eine unwahrscheinliche Vielzahl von Abbildungen (116 schwarzweiß, 598 farbig!!). Manchmal sind sie leider nur von Briefmarkengröße (Mammut und heiße Quellen des Yellowstone-Nationalparks leiden darunter), aber die intrazellulären Darstellungen oder die Illustrationen von Proteinsynthese und einer ganzen Reihe von Reaktionen mit den aufwändigen Molekülgraphiken sind wunderbar und liebevoll sowie didaktisch aufbereitet, darin verliert sich das Auge gerne.

Auf dem Rand finden sich noch jede Menge kleiner Notizen zur Ergänzung (Wortlaut der Reinheitsgebots aus dem Jahr 1516, ein Rezept gegen Katerbeschwerden, Therapie von Virusinfektionen, Bilanz der Tankerkatastrophe Exxon Valdez, Wirkweise von Aspirin, Genotyping zur Identifizierung chinesischer Heilkräuter…). Immer wieder vertiefen halb- bis ganzseitige Boxen bestimmte Themenkomplexe, teilweise aus der Biotech-Historie, teilweise aus Sicht von Experten. Am Ende jedes Kapitels sind kurz kommentierte Literaturhinweise angegeben sowie – sehr hilfreich – Links zu entsprechenden Webseiten, außerdem Fragen zur Selbstkontrolle.

Dieses Buch konnte nur entstehen durch intensive Zusammenarbeit mit vielen Kollegen (alleine der Bildnachweis!), sowie mit kongenialen Betreuern im Verlag – beide Seiten erwähnt der Autor auch mit ausdrücklichem Dank: Nur dadurch lässt sich eine solche Qualität des Gesamteindrucks erreichen.

Also, Einsteiger, Studenten, Lehrer, begeisterter Biotechnologiefan – manchem mag der Informationsstrom zu dicht, manche Seite zu überladen sein: dann macht eine Pause. Aber jeder Nutzer wird davon profitieren, und das mit Vergnügen.

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  • Quellen
BioSpektrum 2/2006

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